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Klicken für Karlsruhe: „Stadtwiki“ wächst unaufhaltsam

Angefangen hat alles auf dem Computer neben dem Bett. „Und es ist Wahnsinn, was seitdem passiert ist“, wundert sich Hauke Löffler.

dpa KARLSRUHE. Angefangen hat alles auf dem Computer neben dem Bett. „Und es ist Wahnsinn, was seitdem passiert ist“, wundert sich Hauke Löffler.

Das so genannte Stadtwiki, das der 19-Jährige in den vergangenen eineinhalb Jahren im Internet für seine Heimat Karlsruhe in Anlehnung an das Datenlexikon „Wikipedia“ aufgebaut hat, ist inzwischen das umfangreichste seiner Art in Deutschland - und im Gegensatz zu vielen anderen auch noch werbefrei.

Auf „http://ka.stadtwiki.net“ und mit einem Mausklick lässt sich alles Wissenswerte über das Leben in der Fächerstadt „nachschlagen“. Muss der Müll heute noch runter gebracht werden? Wann fährt eigentlich welche Straßenbahn? Und wie lange wird in der Kneipe um die Ecke noch das Bier gezapft? Aber auch über die Geschichte der Stadt kann sich der Nutzer informieren und zum Beispiel erfahren, warum die Menschen in der Südstadt den Spitznamen „Indianer“ tragen. Heiratswillige können sich auf der Seite nicht nur über die Orte informieren, an denen sie den Bund der Ehe schließen können, sondern auch, zu welcher Musikband sie ihre Gäste auf der Feier tanzen lassen wollen.

Aktuell präsentiert das „Stadtwiki“ mehr als 4 800 Artikel - nach Angaben Löfflers mehr als drei Mal so viele wie etwa die Metropole New York. Jede Woche kommen etwa 100 neue Artikel hinzu. „Das Stadtwiki ist zum Selbstläufer geworden. Man kann es nicht mehr aufhalten“, sagt Löffler. Den Abiturienten hatte ursprünglich nur die Software interessiert, auf der auch „Wikipedia“ basiert. Aus Spaß entwickelte er Karlsruhes „Stadtwiki“, das er zunächst selbst mit Informationen fütterte. Durch einen Artikel in der Lokalpresse aufmerksam geworden, meldete sich der Karlsruher Verein „Inka“ und unterstützte den Server.

Täglich kamen neue Mitstreiter hinzu, das Portal wuchs. „Das Prinzip ist ganz einfach: Informationen können kostenlos und werbefrei abgerufen und die Inhalte auch ohne Anmeldung geändert werden“, erklärt Löffler. Als Einziger hat er die Möglichkeit, Artikel dauerhaft aus der Datensammlung zu löschen.

Das Erfolgsrezept des Karlsruher „Stadtwikis“ ist vor allem Glück. „In Karlsruhe sind einfach viele Menschen auf die Seite aufmerksam geworden und machen aktiv mit“, sagt Löffler. Genau dies soll auch das Logo der Seite ausdrücken. Es zeigt die für Karlsruhe charakteristische Pyramide, in die der fächerförmige Grundriss der Stadt symbolisch als aufgehende Sonne eingearbeitet ist. Wie die Straße der Fächerstadt solle auch das Wissen der Bewohner vernetzt werden.

„Dass das Stadtwiki so schnell gewachsen ist, hat mich mehr als überrascht“, erzählt Löffler, für den das Portal sehr zeitaufwendig geworden ist. Um das Projekt langfristig und auch finanziell abzusichern und sich rechtlich zu entlasten, gründete er gemeinsam mit einigen Mitstreitern den Verein „Stadtwiki-Gesellschaft zur Förderung regionalen freien Wissens“. Dieser trägt mittlerweile gemeinsam mit Sponsoren die Kosten des Portals und lässt die Idee des „Stadtwikis“ von Karlsruhe auch auf benachbarte Städte übergreifen. Der Verein gründete das „Stadtwiki“ für den Rhein-Neckar-Raum und baut derzeit ein Portal für Pforzheim auf, unter anderem in Dresden und München wird das Konzept von anderen ebenfalls angeboten.

Zeitlich habe ihn die Gründung des Vereins keineswegs entlastet, sagt Löffler. Im Gegenteil: „Jetzt kommen noch die Vereinssitzungen hinzu.“

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