Kommunen verbessern Internet-Service
E-Government bietet Milliardenpotenzial

Deutschlands öffentliche Verwaltungen müssen aufholen: Vor Griechenland und Litauen, aber hinter Belgien, Malta und Slowenien - eine gestern veröffentlichte Studie der Europäischen Kommission weist der Bundesrepublik bei der Erreichbarkeit öffentlicher Dienstleistungen über das Internet nur einen Platz im unteren Mittelfeld zu.

sfu HANNOVER. 66 Prozent aller Dienstleistungen deutscher Verwaltungen - von der einfachen Information bis zum Datenaustausch für Unternehmen - konnten im Oktober 2004, dem Zeitpunkt der Erhebung, hier zu Lande im Internet abgefragt werden. Beim Spitzenreiter Schweden sind es bereits 89 Prozent.

Doch auch in Deutschland ist einiges in Bewegung. "Deutschland gehört zu den Ländern, die im vergangenen Jahr am meisten aufgeholt haben. Dazu tragen vor allem einige große Initiativen des Bundes und der Länder bei", sagt Tom Gensicke, Leiter des Bereichs Öffentliche Verwaltung bei der IT-Beratung Cap Gemini, die die Studie im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt hat.

Die Auswirkungen der verstärkten Anstrengungen auf Behördenseite, die Verwaltungswege mit Hilfe des Internets zu straffen, machen sich auch bei Unternehmen bemerkbar: Der deutsche Markt für die so genannten E-Government-Anwendungen wächst. Der Marktforschungsinstitut Datamonitor rechnet mit sechs Prozent Plus pro Jahr bis 2007. Rund 2,3 Mrd. Euro jährlich werden öffentliche Verwaltungen dann für Online-Ummeldungen, den automatischen Datentransfer aus Unternehmensnetzwerken und die Internet-Abwicklung von Steuererklärungen ausgeben. 2003 waren es noch 1,8 Mrd. Euro. Andere Marktforscher rechnen zwar nur mit einem Wachstum von drei Prozent pro Jahr, doch der Trend ist eindeutig.

Die öffentlichen Verwaltungen haben durchaus ein Interesse an einfacheren Abläufen, denn auch sie müssen sparen. Hinzu kommt: "In den nächsten zehn Jahren wird etwa die Hälfte der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Pension gehen", sagt Dirk Arendt vom E-Government-Zentrum der deutschen Fraunhofer-Institute. Dann fehlen Leute, die die Akten bearbeiten.

Mittlerweile sei allen klar, dass E-Government Einsparpotenzial biete, sagt Arendt. Nach groben Schätzungen der Europäischen Kommission kostet jeder "Offline"-Verwaltungsprozess etwa 1,8-mal so viel wie seine komplett digitalisierte Variante. "Selbst in Zeiten knapper Kassen werden eher Mittel umgeschichtet, als die Investitionen in E-Government-Anwendungen zu kürzen", sagt Arendt.

Doch die Phase, in denen sich jede Kommune selbstständig und nahezu planlos mit neuen Anwendungen eindeckt hat, ist vorbei. In den vergangenen Jahren sei meist ein Wildwuchs an verschiedenen System-Architekturen und Applikationen entstanden, sagt Maja Bott von der Politikberatung Politeia. Große Initiativen wie "Bund Online" oder das Kommunen-Projekt "Media@Komm-Transfer" wollen heute erreichen, dass die verschiedenen Systeme zusammenpassen: "Gefragt sind jetzt vor allem Integrationslösungen", sagt Bott. Auch im Bereich des IT-Outsourcings und bei Sicherheitsanwendungen gebe es Bedarf - und Geschäftsmöglichkeiten für die Anbieter: "Der Umsatz mit dem öffentlichen Dienst wächst zweistellig und schneller als andere Geschäftsfelder in Deutschland", bestätigt Wolfgang Hackenberg, Vertriebsleiter Öffentlicher Sektor beim Netzwerkausrüster Cisco Systems. Neben den Aufträgen von Bundes-, Länder- und Gemeindeverwaltungen kämen auch immer mehr Anfragen aus dem Gesundheitswesen, berichtet Hackenberg. Allerdings sei es wegen des komplizierten Vergaberechts und der mitunter langen Entscheidungswege nicht einfach, den lukrativen Markt zu bedienen: "Wir beschäftigen fünfzig Vertriebsmitarbeiter, die sich ausschließlich um den öffentlichen Sektor kümmern."

Bei Siemens Business Services (SBS) kümmern sich in Deutschland sogar insgesamt 1400 Mitarbeiter um öffentliche Auftraggeber. Einige hundert Mill. Euro setzt die Siemens-Tochter in Deutschland damit pro Jahr um, weltweit sind es 1,1 Mrd. Euro. Der Bereich wächst stetig: "Gut einfügen können sich hier Leute, die bereits in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet haben", sagt Ursula Fellberg, -Christina verantwortlich für das Geschäftsfeld bei SBS.

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