Kommunikation übers Smartphone
Das Deppen-Leerzeichen greift um sich

  • 5

„Wir orientieren uns am Englischen“

Das Deppenleerzeichen macht auch vor akademischen Einrichtungen nicht Halt. In Berlin entsteht das „Humboldt Forum“, das Robert-Koch-Institut schreibt sich wahlweise „Robert Koch-Institut“ (im Impressum) oder Robert Koch Institut (im Logo).

Grundsätzlich habe es sich in den vergangenen Jahrhunderten durchgesetzt, die Bestandteile von Komposita zu verbinden, sagt Kopf. Und Sick: „Es gibt im Deutschen keine Wortzusammensetzung, deren Bestandteile unverbunden nebeneinander stehen können.“ Wem das Bandwurmwort Arbeiterunfallversicherungsgesetz wenig leserlich erscheint, der schreibt Arbeiterunfallversicherungs-Gesetz. In anderen Fällen ist der Bindestrich Pflicht, etwa, wenn eine Abkürzung Bestandteil des Kompositums ist: Akw-Bau.

Aber warum sehen wir das Deppenleerzeichen immer öfter? Student Erik Lutz (23) hat darüber an der Universität Eichstätt-Ingolstadt die Seminararbeit „Deppen Leer Zeichen“ geschrieben. Darin nennt er drei Gründe: den Einfluss von Produktaufschriften und Werbung, das Vorbild des Englischen sowie das Schreiben auf Smartphone und Co.

Bei Produkt- und Markennamen lägen der Getrenntschreibung häufig gestalterische Überlegungen zugrunde. Produktnamen auf Verpackungen gehen oft über mehrere Zeilen, ein Bindestrich am Zeilenende sieht nicht gut aus. Die Ästhetik macht aus „Bergbauernmilch“ „Bergbauern Milch“. In manchen Fällen soll das auch internationaler wirken.

„Der allgemeine Trend ist eben, dass wir uns ganz und gar am Englischen orientieren“, sagt Autor Sick. Im Englischen gibt es zusammengeschriebene Komposita nämlich nicht; stattdessen werden Leerzeichen gesetzt. Es heißt „online banking“, nicht wie im Deutschen „Online-Banking“ oder gar „Onlinebanking“.

Wesentlich jünger ist ein anderer Einfluss: das Tippen auf Mobilgeräten mit Worterkennungssystem (oder ist Worterkennungs-System besser lesbar?). Allerdings sei der Bindestrich auf den Tastaturen der meisten Smartphones nicht auf derselben Tastatur zu finden wie die Buchstaben, schreibt Lutz. Komplexe Komposita erkennen die Systeme ohnehin nicht. Viele Nutzer verzichten deshalb auf den Bindestrich und schreiben die Wörter zusammenhanglos nebeneinander: „Kneipen Viertel Abend“. In den meisten Fällen weiß der Leser dennoch, was gemeint ist.

Sprache ändert sich. „Aus sprachwissenschaftlicher Sicht finde ich das spannend“, sagt Kopf über das Deppenleerzeichen. Allerdings gehen auch Ausdrucksmöglichkeiten verloren. Ein „Chefingenieur“ sei nun mal etwas anderes als ein „Chef Ingenieur“, sagt Lutz.

Seite 1:

Das Deppen-Leerzeichen greift um sich

Seite 2:

„Wir orientieren uns am Englischen“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kommunikation übers Smartphone: Das Deppen-Leerzeichen greift um sich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • G. Nampf - 05.05.2017, 09:03 Uhr

    Die rot-grünen habens nicht so mit der Bildung.
    Je weniger, desto besser. Sind doch einige von ihnen selbst nur im Reden gut, sonst aber alles im Prinzip verbockt und so lange in der Parteizentrale rumgesessen, bis es mal weiterging.

    Eine Rechtschreibung, bei der am Ende keiner mehr weiß, wie es denn nun richtig ist, ist deren Form von Integration in umgekehrter Richtung. Das reicht von Schreiben wie man es spricht in Grundschulen (ein Albtraum für alle weiterführednen Schulen) bis hin zu immer weiter gesenkten Anforderungen an Schüler, Abschaffung von Noten, keine Vermittlung mehr von Wissen, sondern von Kompetenzen, davon aber bitte nicht zu viel, die Schüler könnten ja gestresst sein.

    Vorsicht, Verschwörungstheorie:
    So führt man ein gebildetes Land in den wohl verdienten Untergang, bereit von den Massen aus Afrika und dem Nahen Osten übernommen zu werden und um dann die Kultur komplett zu wechseln.
    Den linken Block dürfte es freuen, Chaos ist die Zukunft, allerdings gibts dann auch kein Geld mehr für die linken Pöbler, die zwar gegen den Staat sind, aber sonst gut vom Sozialsystem leben können.

  • Früher, als es noch eine Rechtschreibung gab und ich zur Schule ging, gab es für Wortzusammensetzungen mit Eigennamen, also zum Beispiel Straßennamen, eine vernünftige Regel: In den Eigennamen gehört nur dann ein Bindestrich, wenn dieser im Eigennamen tatsächlich vorkommt. Also
    Robert Koch-Straße,
    Dr. Heinrich Gottlieb Fichte-Straße,
    Karl-Friedrich Schulze-Müller-Straße.
    Kennt diese Schreibweise keiner mehr, oder haben sie die Kultusminister neben vielem anderen einfach nicht kapiert und deshalb geschrottet?

  • Es könnte auch daran liegen, daß im Englischen solche zusammengesetzten Worte als Fehler markiert werden und das auf die deutschen übertragen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%