Kommunikations-Software
Combots gesteht Scheitern

Die Internetfirma Combots hat nach dem Verlust von dutzenden Millionen Euro das Scheitern mit seiner einst als revolutionär angepriesenen Kommunikations-Software eingestanden.

dpa KARLSRUHE. Die Weiterentwicklung des kostenlosen Dienstes in seiner jetzigen Form werde eingestellt, teilte Combots am Dienstag mit. Grund sei eine „unbefriedigende Marktakzeptanz“. Combots hatte für seinen Internet-Dienst, der mit einfacher Bedienung Sprachtelefonie, den Austausch von Textnachrichten, Bildern und anderer Dateien erlauben sollte, kaum Kunden finden können. Im vergangenen Jahr wurden null Euro Umsatz verbucht - dafür aber ein Verlust von 33,3 Mill. Euro wegen hoher Entwicklungskosten.

Das Projekt des Web.de-Mitbegründers Michael Greve genoss von Anfang an eine hohe Aufmerksamkeit in der Internet-Szene. Combots war mit einem Polster von mehr als 300 Mill. Euro aus dem Verkauf des Web.de-Portalgeschäfts an United Internet gestartet. Gegen etablierte Messaging-Dienste von Skype oder Yahoo konnte sich Combots mit seiner Neuentwicklung allerdings nicht durchsetzen. Obwohl die Mittel auch bei dem hohen Geldverbrennungstempo noch für lange Zeit gereicht hätten, forderten einige Anteilseigner angesichts des desaströsen Geschäftsgangs Korrekturen. Zuletzt hatte Combots auf der Funkausstellung Ifa in Berlin noch die Integration anderer Textnachrichtendienste angekündigt.

Wie genau es nun weitergehen soll, teilte Combots nicht mit. Nach abgeschlossener Restrukturierung werde für 2008 ein positives Ergebnis von ein bis zwei Mill. Euro angestrebt, hieß es. Man wolle Entwicklung und Betrieb von Onlinediensten weiterbetreiben und einen Schwerpunkt im Bereich der digitalen Kommunikation setzen. Im Rahmen des Umbaus rechnet Combots mit einmaligen Abschreibungen in Höhe von 7,5 Mill. Euro sowie 2,4 Mill. Euro an Kosten.

Im bisherigen Geschäftsmodell war die Nutzung der Software kostenlos, Umsätze entstanden erst, wenn sich Nutzer zum Beispiel für eine animierte Comic-Figur zum Aufhübschen ihrer Kommunikation entscheiden. Allein zwischen April und Ende Juni hatte sich das Minus in der Combots-Bilanz auf 3,3 Mill. Euro nach 9,3 Mill. im Vorjahr summiert. Geldsorgen braucht sich Combots trotz des bisherigen Scheiterns der Kommunikations-Software nach wie vor nicht zu machen: Einschließlich des Anteils von 9,3 Prozent an United Internet betragen die liquiden Mittel nach Angaben des Unternehmens mehr als 460 Mill. Euro.

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