Konkurrenz für Kabelnetzbetreiber
TV aus der Telefonleitung

Die Telekomkonzerne machen den TV-Kabelnetzbetreibern Konkurrenz. Mit Digitaltechnik kommt das Fernsehen aus der Telefonbuchse. Adrian Bult ist dabei besonders kreativ beim Besetzen neuer Begriffe. "Telefonfernsehen", nennt der Chef der Swisscom-Tochter Fixnet, was rund 100 Deutschschweizer seit Jahresbeginn ausprobieren dürfen.
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WiWo HANNOVER. Vom Fernsehen ausgestrahlte Filme und Sendungen können via Internet aufgezeichnet, jederzeit unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt weiter geschaut werden. Ein Zusatzgerät, das die Verbindung zwischen Fernseher und Telefonleitung herstellt, erspart den Videorekorder. "Die Kunden bekommen mehr Auswahl und direkteren Einfluss auf ihren Fernsehkonsum," verspricht Bult.

Europas Telekomkonzerne lassen ihre Multimediapläne wieder aufleben, die nach dem Platzen der Internetblase in den Schubladen verschwanden. Vor allem die Exmonopolisten holen immer mehr Megabytes aus dem Kupferdraht der Telefonleitungen heraus. Swisscoms Pilotkunden bekommen den Highspeed-Internetanschluss DSL bereits mit einer Bandbreite von 2,4 Megabit pro Sekunde. Das ist 37-mal mehr als der klassische ISDN-Anschluss bietet.

Die Deutsche Telekom steigert ihren schnellsten DSL-Anschluss zum 1. April gar auf drei Megabit pro Sekunde. Spätestens 2005, kündigte Telekom-Chef Kai Ricke-Uwe an, könnte es eine weitere Verdopplung auf sechs Megabit geben. "So entwickelt sich das World Wide Web zur multimedialen Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsplattform", verspricht Ricke.

Mit den Megabit-Anschlüssen werden Produktkombinationen möglich, die eigentlich den TV-Kabelnetzbetreibern vorbehalten waren. Milliarden investierten US-Investoren wie Callahan in den Kauf und den Umbau der ehemaligen Telekom-TV-Kabelnetze. Zusätzliche Einnahmen, so einst die Idee, sollten sich erschließen lassen, wenn die Kabelbuchse einen Rückkanal bekommt und auch als Internet- und Telefonanschluss genutzt werden kann. Doch das Angebot kam nicht an, die Ausbauprogramme wurden schnell wieder ad acta gelegt.

Jetzt greifen Deutsche Telekom & Co. mit DSL den Plan wieder auf. Bei Übertragungsgeschwindigkeiten von mehreren Megabits pro Sekunde könnte auch Fernsehen aus der Telefondose attraktiv werden. Bereits im Juni 2003 nahm die T-Com eine multimediale Internetvertriebsplattform in Betrieb, die das Herunterladen vorgefertigter Fernsehprogramme sowie das Einwählen in Video-Live-Übertragungen ermöglicht. "30 000 DSL-Kunden", sagt T-Com-Vorstand Berg, "können so gleichzeitig auf breitbandige Inhalte zugreifen."

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