Konkurrenz für Microsoft
Google verstärkt Software-Ambitionen

Die Ankündigung von Google-Chef Eric Schmidt kam wie beiläufig und ganz harmlos daher. Auf der Aktionärsversammlung kündigte der CEO der führenden Internet-Suchmaschine den „nächsten Schritt in der Evolution“ des Unternehmens an.
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dpa HAMBURG. Google werde sich auf die drei großen Säulen „Internetsuche, Anzeigen und Anwendungen“ konzentrieren, sagte Schmidt. Der neue Focus auf Anwendungen hat bei Microsoft bereits einige Unruhe ausgelöst. Der weltgrößte Softwarekonzern muss nach Ansicht von Beobachtern diese Aussage als direkte Kampfansage werten.

Mit einer Reihe von Anwendungen wie einem Kalender- und E-Mail- Programm sowie einem Online-Office-Paket hat Google in den vergangenen Jahren damit begonnen, sein Portfolio für Software sukzessive auszubauen. Damit trat Google erstmals in das Kerngeschäft der Firma von Bill Gates und Steve Ballmer ein. Die Chefs von Microsoft wurden immer wieder davon überrascht, wie die quirlige Google-Truppe eine Web-Anwendung nach der anderen online stellte. Im Gegenzug hatte es Microsoft wiederum trotz gewaltiger Investitionen nicht geschafft, dem Rivalen aus dem Silicon Valley im Suchmaschinen- und Online- Werbemarkt auch nur annähernd Paroli zu bieten.

Google konnte in der Vergangenheit die etablierte Software- und Internet-Wirtschaft öfter in Erstaunen versetzen. Dass zwei Studenten mit einer kostenlosen Suchmaschine einen milliardenschweren Online- Anzeigen-Markt aufbauen können, hätte im Jahr 1998 kaum jemand geglaubt. Als das Unternehmen mit dem Bunten-Bällchen-Logo im Sommer 2004 sogar an die Börse strebte, hielten das viele alte Effektenmarktstrategen für einen schlechten Witz. Das Vorhaben erinnerte wegen überzeichneter Papiere an das Platzen der Internet- Blase. Doch mit seinem Aktienwert überholte Google dann spielend Internet-Größen wie ebay, Yahoo und Amazon. Ein Jahr später galt der Börsengang als eine der größten Erfolgsstorys in der Internet- Branche.

Auch nach fast neun Jahren hat Google sein Image als unkonventionelle, etwas verrückte Company nicht abgelegt. Die Ankündigung Schmidts sei möglicherweise weniger ein Strategiewechsel als endlich eine Möglichkeit für Google, den Aktionären die vielen ­ scheinbar - unkoordinierten Aktionen verständlich zu machen, schätzt die „New York Times“. Und das Image einer harmlosen Gemeinde fantasievoller Studenten schürt Google-Mitbegründer Larry Page weiterhin gern: Noch immer sei Google ein Start-up-Unternehmen, erklärte Page sogar auf der jüngsten Aktionärsversammlung. Doch möglicherweise macht genau dieses selbst gewählte Bild die Konkurrenz wegen seiner Unberechenbarkeit nervöser.

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