Kontrollen verhindern Diebstähle
„Die Leute werden nicht schlauer“

Wer auf der Cebit über Sicherheit redet, meint nicht immer Firewall und Virenschutz. Für die Sicherheit am Cebit-Stand sind die Unternehmen selbst verantwortlich.

HANNOVER. Zur Cebit geht es direkt neben der Müllpresse an der Ecke von Halle 13. Ein kleines Wärterhäuschen steht im eisigen Wind - unbesetzt. Ganz einfach gelangt jeder Fußgänger auf das Gelände, gestern, einen Tag vor der Eröffnung. Nur der davor liegende Parkplatz wird kontrolliert.

Nicht anders auf der anderen Seite des Areals. Am Eingang Ost 3: zwei unverschlossene Türen. Niemand weit und breit, der das Gewusel aus studentischem Hilfspersonal und Messeaufbauern kontrollieren würde - unberechtigte Besucher fallen hier nicht auf.

Volker Ehrecke weiß um das Problem: "Eine Akkreditierung aller am Auf- oder Abbau Beteiligten ist verwaltungstechnisch nicht zu handhaben." Als Leiter der Abteilung Zentrale Dienste ist er zuständig für das Thema Sicherheit - für ihn "ein Spagat zwischen höchstmöglicher Sicherheit und höchstmöglicher Bequemlichkeit für Besucher und Aussteller". Das Thema sei zum Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Messestandorten geworden. Deshalb suchten seine Leute schon im Vorfeld der Cebit Kontakt zu Ausstellern aus Ländern mit einer gewissen Gefährdung wie den USA oder Israel. Er weiß aber auch: "Eine flächendeckende Absicherung lässt sich schon personaltechnisch nicht gewährleisten", ebenso wenig eine Taschenkontrolle am Eingang.

Für einen größeren Ernstfall, wie einen Terroranschlag, gibt es Sicherheitspläne, erarbeitet mit der Polizei. "Wenn jemand etwas Böses will, findet er immer Wege", sagt Ehrecke. Die Gefahr sei aber moderat, bestätigt Werner Schnellker, Leiter des Einsatzabschnittes Sicherheit der Polizei in Hannover: "Die Karikaturen-Affäre hat für uns keine Änderung der Sicherheitslage gebracht."

Es sind die scheinbar kleinen Dinge, die Sorgen bereiten. Diebstähle vor allem. "Mich verwundert der Leichtsinn der Besucher im Umgang mit eigenen Sachen: Die Leute werden nicht schlauer", ärgert sich der Polizist. Immerhin sei die Zahl der gemeldeten Diebstähle seit Jahren rückläufig, und auch aufgebrochene Autos sind kein großes Thema mehr, 2005 waren es nur sieben.

Aufpassen aber müssen auch die Aussteller selbst, sagt Messe-Mann Ehrecke: "Gerade am Tag vor der Messe setzt für die Standbesitzer die Eigensicherungspflicht ein." Sprich: Die Aussteller sind Hausherren auf ihren Ständen. Und müssen selbst auf Exponate achten, die sich unauffällig in einer Jackentasche verstauen lassen. Das bekam auch Fujitsu Siemens zu spüren. Im vergangenen Jahr ließen Diebe vor dem Messestart Computer vom Stand mitgehen. Eigentlich nicht so schlimm - hätte es sich nicht um Prototypen gehandelt, die es weltweit nur einmal gab.

Wer sich auf dem Messegelände umschaut, erkennt ein weiteres Problem: Das Gelände liegt in einer wenig feinen Nachbarschaft. "Wenn wir einen bekannten Kandidaten aus der Gegend auf der Messe entdecken, beobachten wir ihn natürlich", sagt Sicherheitsleiter Schnellker. Die Chance auf Aufklärung eines Diebstahls, gibt er zu, ist eher gering.

Manchmal aber gelingt der Polizei dann doch ein Coup, der zumindest einzelne Aussteller ein besonderes Gefühl von Messesicherheit empfinden lässt. So wie jener kanadischen Firma, deren Laptops spätnachts in einem Auto an der polnischen Grenze sichergestellt wurden. Als die Polizei diese von dem Fund informierte, fiel dem Unternehmen erst auf, dass die Rechner überhaupt gestohlen worden waren.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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