Konzern reagiert auf Angriffe von Nokia und Apple
Sony-Ericsson setzt auf eigenen Musikdienst

James Bond, die Fussball-WW, neue Musikanbote - darauf liegen die Hoffnungen des gebeutelten Handyherstellers, der Marktanteile an die Konkurrenz verloren hat. Damit folgt der Konzern anderen Unternehmen, die sich vom reinen Hersteller zum Inhaltelieferanten wandeln.

LUND. Der Handyhersteller Sony-Ericsson (SE) will mit Hilfe von James Bond, der Fußball-WM 2010 und neuen Musikangeboten verlorene Marktanteile zurückerobern. SE-Chef Dick Komiyama gab sich im südschwedischen Lund optimistisch, dass der Konzern verlorenes Terrain zurückgewinnen kann. "Unsere Stärke ist die Unterhaltung", sagte er und kündigte als Kern der neuen Strategie den Start eines eigenen Musik-Dienstes "Play Now Plus" an.

Sony-Ericsson folgt damit Konkurrenten, die sich ebenfalls vermehrt als Inhaltelieferant und nicht mehr nur als Handyhersteller verstehen. Unter anderem mit dem neuen Dienst wird Sony-Ericsson auch im neuen, im Dezember anlaufenden James Bond-Film und bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika jeweils als Sponsor auftreten.

Zusammen mit dem britischen Softwareentwickler Omniphone bietet SE ab dem vierten Quartal zunächst nur in Nordeuropa den Online-Musikdownload-Service "Play Now Plus" an. Das Besondere an dem Dienst ist die Möglichkeit, Musik direkt aufs Handy ohne Umweg über den Computer zu laden. Der Anwender hat die Auswahl aus rund fünf Mill. Songs aller großen Labels. Die Musik ist DRM-geschützt, das heißt, sie kann nur auf dem Handy und einer begrenzten Anzahl von Computern abgespielt werden.

Der Dienst ist ein Abonnement-Angebot. Während der Laufzeit kann der Kunde unbegrenzt Songs aus dem Play Now Plus-Angebot herunterladen. Nach jeweils sechs Monaten Abonnement darf der Kunde die 100 meistgespielten Songs DRM-frei behalten, alle übrigen sind dann nicht mehr abspielbar.

Das Angebot wird in Schweden von Nordeuropas größtem Telekom-Konzern, der norwegischen Telenor, bereitgestellt. Der Handy-Weltmarktführer Nokia wird kommende Woche ein vergleichbares Angebot präsentieren. Bei dem Nokia-Konzept "Comes with Music" kann der Kunde allerdings auch nach Ablauf des Abonnements die heruntergeladenen Songs behalten. Für Deutschland ist das "Play Now Plus"-Konzept nach Angaben von Sony Ericsson derzeit nicht geplant. Offenbar wehren sich hierzulande die Mobilfunk-Betreiber gegen das Angebot, da sie eigene Online-Shops betreiben und Einnahmeverluste befürchten. Die großen Musik-Labels wie Universal, EMI, Sony BMG und Warner Music hatten sich lange gegen die digitale Verbreitung ihrer Musik gewehrt. Mittlerweile haben sie aber wegen eingebrochener CD-Verkäufe einsehen müssen, dass an dem von Apples iTunes initiierten Vertriebsweg nicht mehr vorbeikommen.

Mit dem neuen Online-Musik-Shop reagiert SE auf den zunehmenden Wettbewerb in der Handy-Branche, der vor allem durch das iPhone ausgelöst wurde. SE-Produktentwicklungschef Rikko Sakaguchi erklärte, dass Apples iPhone eine "große Herausforderung" sei. "Aber wir wollen besser sein", sagte Sakaguchi.

SE hat in diesem Jahr bereits zwei Gewinnwarnungen herausgegeben und die Streichung von 2 000 Arbeitsplätzen bekanntgegeben. Das Unternehmen ist mit einem Marktanteil von nur noch sieben Prozent fünftgrößter Handy-Hersteller der Welt nach Nokia, Samsung, Motorola und der koreanischen LG-Gruppe.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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