Kopierschutz XCP
Sony BMG rudert zurück

Nach der massiven Kritik an seiner Kopierschutz-Software ruft der Musikkonzern Sony BMG nun Musik-CDs, die mit damit ausgestattet sind, aus den Läden zurück. XCP soll laut Experten Sicherheitslücken auf PCs verursachen.

HB FRANKFURT. „Wir teilen die Bedenken von Konsumenten bezüglich Discs mit XCP-Kopierschutz-Software“, teilte Sony BMG am Mittwoch mit. Aus diesem Grunde werde der Konzern alle unverkauften CDs mit dieser Software aus den Läden zurückholen. Zudem werde Sony BMG eine Software anbieten, mit der XCP von Rechnern entfernt werden könne. Sony BMG - ein Gemeinschaftsunternehmen des japanischen Elektronikriesen Sony und des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann - nannte keine Details über die Zahl der CDs, die zurückgerufen werden, und auch nicht zu Namen der betroffenen Künstler.

Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft hatte XCP am Vortag als Sicherheitsrisiko für PCs eingestuft. Der Konzern kündigte an, seine Anti-Virus-Programme so umzuschreiben, dass sie die XCP-Software wieder von Windows-Computern entferne.

Die Sony-BMG-Software installiert sich von selbst, wenn eine mit XCP ausgestattete Musik-CD auf einem PC abgespielt wird. Sie soll das Kopieren des Datenträgers erschweren. XCP verursacht aber eine Sicherheitslücke bei PCs, die Hacker zum Einschleusen von Computer-Viren benutzt haben. Normale CD- oder DVD-Spieler und Apple-Computer sind von XCP nicht betroffen.

Ein von Sony herausgegebenes Reparaturprogramm hilft, XCP leichter zu erkennen, hinterlässt Programmierern zufolge jedoch immer noch eine Lücke. Wegen der Software ist in den USA eine Sammelklage gegen Sony BMG eingereicht worden. Auch die US-Regierung hat sich eingeschaltet.

Einige Hersteller von Anti-Virus-Software bieten zudem bereits Programme an, um XCP zu entfernen. Das britische Unternehmen Sophos beschrieb den Vorgang aber als schwierig und verglich ihn mit einer Operation am offenen Herzen.

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