Kreischen für Bill
Web 2.0 erobert die mobile Welt

Das weltweite Datennetz verwandelt sich zusehends in eine interaktive Plattform. Während die Wegbereiter dieser kurz Web 2.0 genannten Entwicklung ihre Mitstreiter noch vor PCs und Notebooks versammelten, erschließen neue Dienste das kollektive Online-Erlebnis jetzt auch für Mobiltelefone und PDAs.
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DÜSSELDORF. Deutschlands Teenager sind Alfie Dennen zu Dank verpflichtet. Auf ihrem Mobiltelefon können sie bald Fotos der Band Tokio Hotel empfangen, die der Sänger Bill Kaulitz hinter der Bühne geschossen hat. Per Kurznachricht (SMS) bekommen sie Antwort auf ihre Fragen, finden die aktuellen Tourdaten der vier Magdeburger Buben und können mit anderen Fans Bilder von den Konzerten austauschen.

Das Handy verrät ihnen sogar, welche Fans ganz in der Nähe wohnen. Ein Daumendruck genügt, und sie können miteinander schwärmen oder kreischen. Gelegentlich landet ein Gruß von Bill, Tom, Gustav und Georg oder die Ankündigung der nächsten CD auf dem Anrufbeantworter, um die Fanbindung zu verstärken und den Absatz anzukurbeln. "Nie", so der 29-jährige Internetunternehmer Dennen, "war die Beziehung zwischen Stars und Fans so eng und allgegenwärtig."

Das weltumspannende Datennetz verwandelt sich zusehends in eine interaktive Plattform, über die die Nutzer individuell gestaltete Inhalte austauschen. Während die Wegbereiter dieser kurz Web 2.0 genannten Entwicklung ihre Mitstreiter noch vor PCs und Notebooks versammelten, erschließen Dienste wie Dennens Service Moblog UK das kollektive Online-Erlebnis jetzt auch für Mobiltelefone und PDAs.

Ob Power-Blogger oder Pop-Fan - im mobil gewordenen Web 2.0 muss niemand mehr warten, bis er einen Schreibtischcomputer findet, um sein digitales Tagebuch zu pflegen oder das elektronische Poesiealbum zu führen. Ob am Flughafen oder in der Straßenbahn, im Büro oder zu Hause, bei Freunden oder beim Bummel in der Stadt - wer will, speist seine Kommentare per Handy in Online-Communities ein oder verschickt aktuelle Bilder samt Kurzkommentaren wie E-Mails an seine bevorzugte Fotoplattform. Dort können Kollegen, Kunden oder Freunde die fortlaufend aktualisierten Aufnahmen dann am Computer oder über das eigene Mobiltelefon betrachten. Längst richten Web-2.0-Unternehmer Fotoseiten auch für Firmen ein.

In den USA lädt die US-Mobiltelefongesellschaft Verizon Wireless regelmäßig junge Kunden zu intimen Konzerten mit Popgruppen wie RBD ein, einem populären Gesangssextett aus Mexiko. Die Fans drehen Videosequenzen vom Auftritt und dem ganzen Drum und Dran, und schicken sie an Verizons Web-Service VCast. Wer den Dienst für 15 Dollar pro Monat abonniert, kann sich die Mitschnitte jederzeit auf seinem Handydisplay ansehen. In Kürze erscheint in VCast und YouTube zudem ein längeres RBD-Musikvideo, das Filmemacher der Plattenfirma aus dem Fanmaterial zusammengeschnitten haben.

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