Krise der Musikbranche soll zum Boom werden
Online-Markt ist das China der Musikindustrie

Die ersten legalen Download-Plattformen sind zwar erfolgreich gestartet, doch die Absatzzahlen bleiben verschwindend gering gegenüber den illegalen Tauschbörsen. Immerhin können kommerzielle Anbieter auf einen großen potenziellen Kundenkreis verweisen. Der muss aber noch dazu gebracht werden, wieder Geld für Musik auszugeben.

HB DÜSSELDORF. „Freunde lachten mich aus, als ich das neue U2-Album im Laden kaufen wollte. Sie würden für Musik schon lange kein Geld mehr bezahlen“, sagt der 13-jähringe Kevin aus Düsseldorf. „Also besorgte ich mir auch die Download-Software, das ging ganz schnell, und jetzt bezahle ich für Musik nur noch die Internetgebühren. Manchmal brauche ich auch noch Rohlinge für den Discman.“ CDs kaufen ist out, Runterladen und Brennen ist in.

So wie Kevin geht es 7,4 Millionen Deutschen, die durch den einfachen Zugang zu illegalen Tauschbörsen nicht auf den Gedanken kommen, etwas Unrechtes zu tun. Dabei machen sie sich mit der Nutzung strafbar. Hier setzen die Tonträgerhersteller seit Jahren an. Mit einer aufwändigen Medienkampagne soll den Tauschbörsen-Nutzern die Strafbarkeit ihres Handelns vor Augen geführt werden. Die drastischen Werbespots drohen mit bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Hunderte wurden bereits angezeigt

Tatsächlich wurden laut » Phonoverband im vergangenen Jahr rund 400 Tauschbörsennutzer angezeigt. Die meisten Verfahren laufen noch, doch aus den verhandelten Fällen lässt sich eine durchschnittliche Strafe von 4000 Euro ermitteln. Die Musikindustrie feiert diese rechtlichen Maßnahmen als Triumph der Urheberrechte. Doch verglichen mit den Millionen Menschen, die illegal Musik runterladen, stellen die Gerichtserfolge lediglich einen Achtungserfolg dar.

Der Idee, neben der Abschreckung auch eine legale Alternative zu bieten, standen die Plattenkonzerne lange Zeit im Weg. Besonders das Alleinvermarktungsrecht wollten sie ungern aufgeben. So schafften die Lizenzinhaber sich durch ihre Blockadehaltung die sinkenden Umsätze zumindest teilweise selbst. Der bewährte Absatzweg über die CD macht zwar immer noch 80 Prozent des gesamten Umsatzes mit Musik aus, doch ist der Markt insgesamt seit 1997 um ein Drittel geschrumpft.

Mit der Erkenntnis, dass die Abschreckung nicht die gewünschte Wirkung bringt, wuchs auch die Bereitschaft der Tonträgerhersteller, ihre Produkte zusammen mit der Konkurrenz auf einer virtuellen Plattform anzubieten. Im vergeangenen Jahr starteten einige große Online-Portale mit dem Angebot von mehreren Musikanbietern, wie zum Beispiel die von T-Online realisierte Plattform » musicload.de. 450 000 Titel stehen hier zum Download im Windows Media Audio-Format (.wma) bereit.

Der Unterschied zu den illegalen Portalen ist, dass die Titel Geld kosten. Zwischen 79 Cent für einen einzelnen Song bis zu 17,95 Euro für Kevins neues U2-Album zahlen Nutzer für den Download per Telefonrechnung. Darüber hinaus wird das weitere Verwenden von einem Kopierschutz überwacht, der beispielsweise dafür sorgt, dass jeder Titel nur zehn mal gebrannt werden kann.

Der Telekom-Ableger verkaufte im vergangenen Jahr vier Millionen Titel und kommt damit auf einen Marktanteil von 50 Prozent der aus Deutschland legal geladenen Musiktitel. Einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge stehen den acht Millionen legalen jedoch 382 Millionen Titel von den Tauschbörsen gegenüber. Weitere 84 Millionen Songs sind zwar legal runtergeladen worden, wurden aber kostenlos von den Musikkonzernen abgegeben, so die ermittelten die Marktforscher der GfK.

Diese kostenfreien Titel werden an Portale wie tonspion.de zu Werbezwecken abgegeben. Die Werbetitel sind keinesfalls nur zum Reinhören geeignet. Vielmehr sind es meist vollständigen Songs im MP3-Format, wie sie auch bei den Tauschbörsen zu haben sind. Nur dass hier die Plattenkonzerne bestimmen, wann und wie lange ein kostenfreier Zugang möglich ist.

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