Krisengipfel der Unterhaltungsindustrie
Videospiele stoßen an ihre Grenzen

Wirtschaftlich geht in der digitalen Unterhaltungsindustrie die Angst vor dem Chaos um. Während Experten der Gaming-Branche insgesamt satte jährliche Zuwachsraten bescheinigen, ist unklar, wer davon profitieren wird. Jetzt trifft sich die Branche zum Krisengipfel in Los Angeles.

SANTA MONICA. Nichts ist so wie erwartet: Der Start der Sony-Konsole „PS3“ geriet statt zum Umsatzfeuerwerk zum Debakel. Angeblich wird Sony den Preis der Konsole drastisch senken müssen. Demgegenüber bricht Nintendos Billiggerät „Wii“ alle Verkaufsrekorde. Und die 2005 auf den Markt geworfene Microsoft-Konsole Xbox360 stirbt den Hitzetod: Fast eine Milliarde Dollar für Reparaturen müssen jetzt verkraftet werden, räumte Spiele-Chef Robbie Bach jüngst ein und entschuldigte sich für „inakzeptable Ausfallraten“. Selbst die Verkaufsziele von 12 Mill. Xbox360 bis Juni 2007 wurden verfehlt.

„Die Branche steht am Wendepunkt“, sagte John Riccitiello, Chef des Gaming-Softwareherstellers Electronic Arts (EA) dem Handelsblatt, „und es wird für einige schmerzhaft werden.“ Riccitiello weiß, wovon er spricht. Erst im April hatte er die Führung bei EA übernommen. Seitdem kämpft er mit Gewinneinbußen und stagnierenden Umsätzen.

An Themen wird es also nicht mangeln – auf der Branchenmesse E3 vom 11. bis 13. Juli im kalifornischen Santa Monica. Die wichtigste und bis 2006 auch größte Fachmesse der Szene musste selbst bereits Federn lassen. Wegen ausufernder Kosten für das Spektakel mit 70 000 Besuchern ist sie bereits aus einem Kongess-Zentrum in Los Angeles in ein paar Hotels und einen Flugzeughangar verlegt worden. Nur 5 000 Leute wurden noch eingeladen. Trotzdem: „Alleine der Transport der Besucher wird ein Chaos“, orakelt ein US-Manager.

Und auch wirtschaftlich geht die Angst vor dem Chaos um. Während Experten wie Price Waterhouse Coopers der Gaming-Branche insgesamt satte jährliche Zuwachsraten von 9,1 Prozent bis 2011 auf 48 Mrd. Dollar bescheinigen, ist unklar, wer davon profitieren wird. „Der PC-Spielemarkt in den USA wird leicht sinken und der Videospielemarkt kommt an seine Grenzen“, so PWC-Analyst Marcel Fenez. Er sieht die Ausgaben für Videospielesoftware in den USA nur von 6,5 Mrd. Dollar auf 7, 9 Mrd. Dollar in 2011 anwachsen. Der asiatisch-pazifische Raum werde das stärkste Wachstum aufweisen. Online-Gaming und Werbung gelten als die Topthemen.

Aus Korea kommen neue Online-Geschäftsmodelle wie „umsonst spielen und Zubehör bezahlen“. GOA, eine Tochter des Telekomriesen France Télécom, macht sich damit seit April in Europa breit und bedrängt die klassischen Anbieter von Spielen auf CD oder DVD. Auf www.goa.com haben sich seit April über 200 000 Kunden ein komplettes Golfspiel heruntergeladen, dass unbegrenzt frei gespielt werden kann. Kosten entstehen nur für Zubehör wie bessere Schläger oder neue Klamotten. Gut 100 000 Konten sind aktiv, so GOA-Chef Frederic Xicluna, 20 000 davon kommen aus Deutschland. Und von denen haben schon 60 Prozent irgendein Zubehör zwischen 50 Cents und zwei Euro gekauft.

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