Krisenübung
Behörden proben den Cyber-Krieg

Das neue Cyber-Abwehrzentrum des Bundes zieht ins Manöver: Im Herbst wird zum ersten Mal gemeinsam mit Behörden und Unternehmen die Reaktion auf eine Cyber-Attacke geübt.
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BerlinAngesichts vielfältiger Bedrohungen aus dem Internet werden Behörden von Bund und Ländern im Herbst zum ersten Mal die Abwehr einer Cyber-Attacke üben. An der „Länderübergreifenden Krisenmanagement-Übung“ (LÜKEX) seien Ende November oder Anfang Dezember mehrere hundert Personen beteiligt, sagte der IT-Direktor im Bundesinnenministerium, Martin Schallbruch, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. An der Übung werden nach seinen Angaben auch das im Februar gegründete Cyber-Abwehrzentrum des Bundes, die Bundesnetzagentur sowie mehrere Betreiber kritischer Infrastruktursysteme mitwirken.

„Das Szenario wird ohne Wissen der Beteiligten von der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz vorbereitet“, sagte Schallbruch am Rande der Konferenz „Public IT Security“ (PITS) in Berlin. Diese Einrichtung gehört zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das auch im Cyber-Abwehrzentrum in Bonn mitwirkt. Die Leitung der Übung liegt beim Krisenstab des Bundesinnenministeriums. Bei der letzten Kastastrophenschutzübung wurde im Januar 2010 ein Terrorangriff mit ABC-Waffen simuliert.

„Die IT ist ein kritischer Faktor für fast alle Bereiche unserer Gesellschaft“, sagte Schallbruch vor den Teilnehmern der zweitägigen Konferenz. Auch die Erfüllung staatlicher Aufgaben hänge ganz wesentlich von funktionsfähigen IT-Systemen ab. In fast allen Produkten gebe es Sicherheitslücken, und alle zwei Sekunden tauche ein neues Schadprogramm auf.

Bei den Angreifern und Motiven unterschied Schallbruch vier Gruppen: Spionage, Sabotage, Betrug und „Hacktivism“. „Wir haben leider auch in Behörden des Bundes erlebt, dass es Hackern gelungen ist, in Systeme einzudringen“, sagte der IT-Direktor des Bundesinnenministeriums - Anfang Juli hatten Hacker Dokumente aus dem Bereich der Zollfahndung im Internet veröffentlicht, nachdem sie in einen Rechner der Bundespolizei eingedrungen waren. Zur Sicherung der IT-Systeme sprach sich Schallbruch für dezentrale Bemühungen und eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen sowie auf internationaler Ebene aus.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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