Kritik privater Sender und von Zeitungsverlegern
ZDF untersucht neue Online- und Digitalangebote

Nach der Kritik privater Sender und Zeitungsverleger will das ZDF künftig neue Online- und Digitalangebote in einem sogenannten Drei-Stufen-Test prüfen. Dabei soll festgestellt werden, ob das Angebot zum Auftrag öffentlich-rechtlicher Anstalten gehört.

dpa BREMEN. Geprüft werde auch, ob die Inhalte qualitativ zum journalistischen Wettbewerb beitragen und wie hoch die Kosten seien, sagte der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates, Ruprecht Polenz, am Freitag in Bremen. „Wir werden jetzt das Verfahren für den Drei-Stufen-Test entwickeln, auch wenn wir dazu noch keine gesetzliche Verpflichtung haben.“ Hintergrund sind Vorgaben der EU-Kommission für die Rundfunkordnung, die in Deutschland jedoch erst als Gesetz im neuen Rundfunkänderungs-Staatsvertrag ab 2009 verankert werden.

Das ZDF hoffe mit dieser Initiative dazu beizutragen, dass aus den Vorwürfen „wild wuchernder Expansionsgelüste“ wieder eine Diskussion auf sachlicher Ebene werde, sagte Polenz. „Aus unserer Sicht wird es keine grenzenlose Expansion geben“, sagte Intendant Markus Schächter. Im Onlinesektor der deutschen Medien liege der Marktanteil der Öffentlich-Rechtlichen bei unter fünf Prozent. „Man kann nicht von Verdrängungs- oder Vernichtungswettbewerb sprechen.“

Ein Treffen führender Vertreter von ARD und ZDF mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (Bdzv) am Mittwoch zu diesem Thema bezeichnete Schächter als Gespräche in „konstruktiver Atmosphäre mit sachlichem Ton“. Nach Informationen des „Kölner Stadt- Anzeigers“ aus Teilnehmerkreisen wurde das Gespräch in der Form höflich geführt, brachte in der Sache aber keinerlei Annäherung. Schächter habe sich in seinem Eröffnungsbeitrag schockiert über das gezeigt, was er in den vergangenen Monaten in den Zeitungen gelesen habe. Er warf den Verlegern eine Kampagne mit Falschdarstellungen vor.

Die Bdzv-Vertreter dagegen kritisierten nach diesen Informationen die öffentlich-rechtlichen Auftritte im Internet als zu expansiv: Wenn man sich das Internetangebot eines Senders ausdrucken lasse, habe man quasi eine Gratiszeitung in der Hand. Die Verleger kritisierten auch Angebote wie Spiele oder die Kontaktbörse des WDR. Dies sei auch aus Sicht der EU-Kommission unhaltbar. Die Kommission habe zwar das Verfahren gegen öffentlich-rechtliche Sender eingestellt, aber mit der Auflage, innerhalb von zwei Jahren alles einzudämmen, was die private Konkurrenz im Markt behindere. Außerdem müsse in den Rundfunkstaatsverträgen eindeutig formuliert sein, was die Öffentlich-Rechtlichen dürfen und was nicht.

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