Künstliche Stimmen sind mittlerweile von menschlichen kaum noch zu unterscheiden
Der Computer wird Gesprächspartner

Die weibliche Stimme, die den Anrufer begrüßt, klingt sympathisch. Man könnte meinen, es mit einer besonders freundlichen Mitarbeiterin zu tun zu haben. Erst als die Fragen detaillierter werden, sagt sie: "Ich habe Sie leider nicht verstanden."

HB DÜSSELDORF.Wer die Telefonauskunft 11810 anruft, kann hören, wie leistungsfähig synthetische Stimmen mittlerweile sind. Der Auskunftsdienst der Münchner Varetis AG ist nach eigenen Angaben Deutschlands erste vollautomatische Telefonauskunft - und kommt zumindest bei der Begrüßung tatsächlich ohne Menschen aus. Keine Silbe wird verschluckt, die Betonungen klingen natürlich.

Streng genommen arbeitet die Auskunft mit den synthetischen Stimmen natürlich nicht vollautomatisch, die Verknüpfung von Spracherkennungs- und Sprachgenerierungssoftware mit Datenbank und Computer stößt noch immer an Grenzen . Zwar ist es möglich, durch das System einfache Standardauskünfte zu bekommen, ohne dass ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut dabei sein muss. Bei der Branchensuche kann die Kunststimme allerdings oft nicht helfen, wenn der Anrufer nicht genau weiß, was er sucht. Wenn er zum Beispiel "Autohaus" sagt, kann das System nicht durch Assoziieren oder Nachfragen herausbekommen, ob man eine Werkstatt oder einen Autohändler sucht. Nach einigen Fehlversuchen werden solche Fragen deshalb zu echten Mitarbeitern durchgestellt.

Scansoft International hat die Spracherkennungssoftware und die synthetische Stimme entwickelt. Sie arbeiten angeblich reibungslos. Peter Hauser, General Manager der Firma, ist zufrieden: "Die Erwartungen an das, was Spracherkennung und synthetische Stimmgenerierung leisten können, sind realistischer geworden", sagt er. "Vor sieben, acht Jahren gab es noch die Illusion, dass man solche Dienste komplett ohne Menschen aufsetzen kann. Heute wissen wir, dass so eine Lösung Menschen nicht völlig ersetzen kann." Acht von zehn 11810-Anrufen werden automatisch beantwortet.

Die reibungslose Umwandlung der Daten in synthetische Sprache ist mittlerweile so weit ausgereift, dass viele Unternehmen und Organisationen die Kunststimmen auch mit Aufgaben betreuen, die weit über die Bandansage hinaus gehen. So hören die Anrufer der Verkehrshotline des Südwestdeutschen Rundfunks seit Mai eine Computerstimme, wenn sie Staunachrichten abfragen. Vor allem Telekommunikationsanbieter, aber auch Banken und Versicherungen zählen "zur Spitze der Sprachtechnologieanwender", sagt Christian Sauter, Vorstand des Sprachlösungsanbieters Excelsis in Stuttgart. Unter anderem sind die SAP AG, die Energie Baden-Württemberg (EnBW), und die Hypo-Vereinsbank seine Kunden. Auch die Autobranche verlangt mittlerweile nach Sprach-Elektronik.

Xerox Corporation entwickelte mit der Nasa Clarissa, einen "sprachgesteuerten Crew-Assistenten. "Er soll Astronauten ermöglichen, Hände und Augen für andere Aufgaben einzusetzen", sagt Beth Ann Hockey von der Nasa.

Die Gründe für den Boom: In den vergangenen Jahren ist die Prozessorleistung enorm gewachsen. Die Systeme können auf größere Vokabulare und mehr Kombinationsmöglichkeiten zugreifen, und haben dennoch Leistung für das Erkennen von Fragen, die Betonung und emotionalem Ausdruck übrig.

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