Kunden ersetzen alte Windows-Systeme durch Linux
Open-Source-Anbieter hoffen auf den Wechsel

Wenn es um sein Software-Unternehmen geht, ist Peter Ganten optimistisch: Das Wachstum der vergangenen Jahre wird weiter gehen, da ist er sicher.

BONN. Im Februar 2002 war der studierte Psychologe und Hobby-Programmierer einer der Gründer der Univention GmbH in Bremen. In den folgenden Jahren entwickelte das junge Unternehmen Software für Firmen und Behörden auf der Basis des lizenzfreien Betriebssystems Linux. "Wir haben mit drei Leuten angefangen und unser Wachstum aus eigener Kraft finanziert", sagt Ganten stolz. Heute ist er Chef von 21 fest angestellten Mitarbeitern. Denn Open-Source-Software ist heute wesentlich bekannter als noch vor einem Jahr: "Wir müssen den Leuten nicht mehr erklären, was Linux ist."

Als Open-Source-Software firmieren all jene Programme, deren Quellcode frei verfügbar ist. Software-Unternehmen wie Univention können die Basis-Programme ausbauen und ihre Entwicklungen vermarkten - meist wesentlich preiswerter als marktdominante Programme, allen voran Microsofts allgegenwärtiges Betriebssystem Windows. So gibt es mittlerweile mehrere Versionen von Linux, so genannte Distributionen. Sie heißen Ubuntu, Red Hat oder Slackware und sind für unterschiedliche Nutzergruppen zugeschnitten. Die Argumente, die für freie Software sprechen, sind stets die selben: hohe Viren- und Absturzsicherheit, Anpassbarkeit und geringere Kosten. Viele Distributionen gibt es als Gratis-Download im Internet. Die Entwickler verdienen am Verkauf von Handbüchern und Service.

Der Linux-Tag in Berlin und die Chemnitzer Linux-Tage sind die beiden größten Familientreffen der deutschen Linux-Gemeinde: Hier treffen sich Feierabend-Programmierer, hauptberufliche Software-Entwickler und Anwender, die mit dem freien Betriebssystem arbeiten. Zum Linux-Tag 2007 vom 30. Mai bis zum 2. Juni in Berlin kamen 9600 Besucher. Im vergangenen Jahr waren es nur 9000. Anfang März kamen mit 2700 Besuchern im Vergleich zum Vorjahr bereits rund zehn Prozent mehr Besucher zu den Chemnitzer Linux-Tagen.

Bei einer der jüngsten Entwicklungen wähnt der Mitorganisator der Chemnitzer Linux-Tage, Chris Hübsch, die Open-Source-Entwickler dem Microsoft-Konzern sogar einen Schritt voraus: Virtualisierung soll die Auslastung von Prozessoren künftig erhöhen. Kern der Idee ist, auf einem Rechner mehrere Betriebssysteme laufen zu lassen. Hübsch ist hauptberuflich Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Informatik der Technischen Universität (TU) Chemnitz und kennt die neue Technik: "Den zusätzlichen Betriebssystemen wird vorgegaukelt, sie hätten einen Rechner für sich."

Mit nur einem Betriebssystem bleiben die meisten Rechner einen Großteil der Zeit weit von ihrer Volllast entfernt. Sorgen sie aber gleichzeitig als Server für den Email-Verkehr eines Unternehmens oder für den Internetzugang, ersparen sie ihrem Betreiber zusätzliche Rechner. Das war Grund genug für den LinuxTag e.V., Veranstalter der gleichnamigen Messe in Berlin, Virtualisierung zum Schwerpunktthema des diesjährigen Branchentreffens zu machen.

Einen weiteren Schub wird die Branche bekommen, weil bei vielen Unternehmen bald die Betriebssysteme Windows XP und Windows 2000 veralten. Manch ein Univention-Kunde sei in dieser Situation auf Linux umgestiegen, berichtet Peter Ganten: "Denn wenn ich schon ein komplexes IT-Projekt machen muss, warum dann nicht mit Linux?"

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