Kyte.tv und Twitter setzen auf mobiles Internet
Das Web 2.0 lernt laufen

Online-Dienste wie Kyte.tv oder Twitter setzen auf das mobile Internet. Die Idee: Nutzer sollen an jedem Punkt der Erde Bilder, Videos oder Texte mit einer riesigen Online-Community austauschen können.

bn BERLIN. Die nächste Stufe ist gezündet. Und das, obwohl das Internet dank der sozialen Netzwerke gerade erst sein Comeback gefeiert hat. Statt sich vom Fernseher berieseln zu lassen, wollen viele Nutzer lieber selbst Programmchef spielen. Sie erstellen Profile bei der Online-Community Myspace oder laden selbst gedrehte Filmchen bei Youtube hoch. Die etablierten Medienriesen reagieren panisch. Sie nehmen Unmengen an Geld in die Hand, um eines der jungen Internetunternehmen zu kaufen. Oder sie stellen selbst Inhalte zum Download im Netz bereit. Doch kaum scheinen sich die Medienkonzerne auf den Zeitenwandel eingestellt zu haben, droht eine neue Herausforderung im Netz. Jemand hat den Stecker gezogen.

In letzter Zeit tauchen fast täglich neue Internetdienste auf. Sie tragen Namen wie Kyte, Twitter oder Frazr. Und trotz unterschiedlicher Ansätze haben sie eines gemeinsam: Sie setzen auf Mobilität. Das Web 2.0 lernt laufen.

Etwa der Dienst Kyte.tv, der in der vergangenen Woche an den Start gegangen ist. Gründer Daniel Graf, 32, macht in einem Trailer auf der Homepage gleich zu Beginn klar, worum es ihm geht: Genüsslich zertrümmert er alte Fernsehgeräte mit einem Vorschlaghammer. Das Portal greift die Idee hinter Videoportalen wie Youtube auf und denkt sie weiter: „Kyte verbindet die drei Internet-Megatrends User Generated Content, Social Networking und Mobile“, sagte Gründer Graf. In Zeiten, in denen viele Handys über eine eingebaute Videokamera und die Möglichkeit verfügen, ins Netz zu gehen, sollen Nutzer von überall auf der Welt Filme oder Fotos aufnehmen und sie mit einer Online- Community austauschen können. Im besten Fall laden Nutzer wie Walter Zai direkt von einer Safari in Südafrika Schnappschüsse von Elefanten hoch. Die Nutzer können die Bilder aus der Savanne dann per Live-Chat kommentieren.

Viele Inhalte auf Kyte sind bisher aber weniger spannend. So finden sich Aufnahmen von Sonnenuntergängen über London oder ruckelige Filmchen, die an Aufnahmen von Überwachungskameras erinnern. Entscheidend für den Erfolg von Kyte dürfte sein, wie sich die Kosten für Internetverbindungen per Handy entwickeln. Bei den aktuellen Gebühren werden es sich viele Nutzer zwei Mal überlegen, ob sie ihre Handyfilmchen wirklich mit dem Rest der Welt teilen. In der Schweiz, dem Geburtsland von Kyte-Gründer Graf, hat das Portal eine Partnerschaft mit dem Mobilfunkbetreiber Swisscom Mobile geschlossen. Für eine befristete Zeit können dessen Kunden Kyte kostenlos nutzen. Einige Netz-Berühmtheiten hat Graf schon von seinem Dienst überzeugt. So stellte Skype-Gründer Niklas Zennström Startkapital für den Dienst zur Verfügung.

Kyte ist nicht der erste Dienst, der dem Internet das Laufen beibringen will. Auslöser dieses neuen Trends ist Twitter.com. Seinen kometenhaften Aufstieg – allein zwischen Februar und März haben sich die Nutzerzahlen auf 100 000 verdoppelt – hat Twitter der Antwort auf eine ganz simple Frage zu verdanken: „Was machst du gerade?“ Nutzer melden sich an und teilen der Welt mit, wie sie sich im Augenblick die Zeit vertreiben. Mit Twitter wird das Konzept der Online-Tagebücher (Weblogs) eingedampft.

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