Livedoors Fall
Das neue Japan vor Gericht

Der gefallene Star streitet alles ab: Takafumi Horie, ehemaliger Chef des Internetunternehmens Livedoor und einst ein Held in Japan, steht seit Montag vor Gericht. Schon seine Verhaftung hatte zeitweise zu einem Kollaps des gesamten japanischen Börsenhandels geführt.

TOKIO. Japans Medien betiteln selbst harmlose Skandale schnell als Schock. Als im Januar ein Heer von Untersuchungsbeamten die Büros des Internetunternehmens Livedoor stürmte und kistenweise Beweismaterial abtransportierte, war dieses Etikett aber berechtigt. Schockwellen löste die Razzia aus, der sich bald auch die Verhaftung von Livedoor-Chef Horie anschloss. Verunsicherte Aktionäre stießen zu Hunderttausenden ihre Titel ab, was die technischen Kapazitäten des Tokioter Aktienmarktes überstieg und zeitweise zu einem Kollaps des gesamten Börsenhandels führte.

Mitte März wurde zudem der Livedoor-Titel vom Kurszettel gestrichen, und im Juni geriet auch Japans bekanntester Fondsmanager Yoshiaki Murakami in den Strudel des Skandals. Selbst den japanischen Oppositionsführer kostete die Angelegenheit den Job, nachdem dessen Partei mit wenig Geschick und unwahren Angaben versucht hatte, politisches Kapital aus der Affäre zu schlagen.

Gestern begann nun in Tokio der Prozess gegen den 33 Jahre jungen Horie, der im April gegen eine Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Vorgeworfen wird ihm, Geschäftszahlen gefälscht und Transaktionen vorgegaukelt zu haben. Konkret soll er im Jahr 2004 den Gewinnausweis der Tochter Livedoor Marketing aufgeblasen und zur Kursmanipulation die Akquisition einer Firma, die er de facto bereits kontrollierte, vorgetäuscht haben. Zum Auftakt der Verhandlungen wies Horie alle Vorwürfe des Staatsanwalts zurück.

Im Rahmen der 26 Anhörungen, die die Staatsanwaltschaft bis Ende November plant, gilt es abzuklären, ob Horie von den Bilanzfälschungen und Manipulationen wusste. Während nämlich vier weitere ehemalige Führungsverantwortliche – darunter der frühere Finanzchef – Teilgeständnisse abgelegt haben, bestreitet Horie, von den Gesetzesverstößen gewusst zu haben. Vermag er dies nicht glaubhaft zu begründen, droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren. Das Urteil soll spätestens Ende des Jahres vorliegen.

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