Marken haben es im Web leichter
E-Commerce trotzt der Konsumkrise

Während der stationäre Einzelhandel in Deutschland krankt, widersetzen sich Online-Shops mit steigenden Umsätzen der Konsumflaute: Nach Angaben des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) sind die Einzelhandelsumsätze im Internet im ersten Halbjahr um mehr als 30 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Bis zum Jahresende erwartet der HDE-Experte für E-Commerce, Olaf Roik, durch das Weihnachtsgeschäft einen Zuwachs von rund 38 % auf 11 Mrd. Euro.

DÜSSELDORF. Der stationäre Einzelhandel kann auf solche Erfolgsmeldungen nicht verweisen: Die Pleitewelle in der Branche ist kaum zu stoppen. Für dieses Jahr rechnet die Branche mit rund 4 000 Insolvenzen. Zwar sind die Umsätze laut BAG-Handelsverbandspräsident Walter Deuss im April und Mai gestiegen. Für eine wirkliche Trendwende reiche dies trotz einer Flut von Billigangeboten aber nicht.

Das Online-Geschäft hingegen boomt. Der Handelskonzern Otto etwa setzte im vorigen Jahr über das Internet mehr als 2 Mrd. Euro um, das entspricht 13,5 % des Gesamtumsatzes. Auch die Tchibo-Gruppe hat ihren Online-Umsatz gegenüber 2001 um knapp 60 % auf mehr als 87 Mill. Euro erhöht – das sind rund 3 % des Gesamtumsatzes. Mit ständig wechselnden Angeboten und Zusatzprodukten wie dem „Wein-Shop“ will das Hamburger Unternehmen, das mit Kaffee und Haushaltsprodukten bekannt wurde, sein Online-Geschäft ausbauen.

Auf ungebremst hohe Wachstumsraten können aber auch die Shops im Internet nicht hoffen. Marktkenner Oliver Roik gibt zu bedenken, dass die Zahl der aus Neugier surfenden Neukunden, die lange einen beträchtlichen Teil der Online-Käufer ausgemacht hätten, sinke. „Die Kunden im Internet sind erwachsen geworden“, sagt er. Das zeige sich auch an den Wachstumsraten: Stieg der Umsatz 2001 noch um mehr als 100 %, betrug das Plus im vergangenen Jahr nur noch gut 60 %.

Tchibo und Otto gehörten nach Angaben der Marktforscher von Nielsen/Netratings im Mai zu den meistbesuchten Online-Shops. Vorrangig solch große Anbieter haben nach Ansicht Roiks die positive Entwicklung des gesamten Onlinehandels vorangetrieben. Ihr Ziel sei nun die Pflege der Stammkundschaft.

Prominente Firmen sind bei Online-Käufern beliebt, das zeigt auch eine Studie der Unternehmensberatung Mummert Consulting. Rund zwei Drittel aller Online-Shopper kaufen der Untersuchung zufolge überwiegend bei bekannten Firmen. Dessen ist sich auch der Geschäftsführer von Amazon Deutschland, Ralf Kleber, bewusst: „Marken haben es immer leichter“, sagt er.

Zukunftsweisend für den Einzelhandel im Internet ist laut Roik, ob sich Produkte wie Möbel beim Onlineverkauf behaupten können. Schaffen sie den Durchbruch nicht, könne in fünf Jahren die Wachstumsschwelle erreicht sein. Sorgen bereitet Roik die abflachende Wachstumskurve nicht – im Gegenteil: Er hält die Entwicklung für gesund.

Von einer Gesundung des Marktes spricht auch Netzmarkt-Geschäftsführer Heiko Zeutschner. Seit er 1995 mit seinem Bruder Michael das erste deutsche Internet- Kaufhaus gründete, hätten sich viele Anbieter eine blutige Nase geholt. „Dadurch wächst die Kompetenz, die übersteigerten Erwartungen gehen zurück.“

Eine Marktbereinigung war und ist auch Ziel von Euro Label, einem von der Europäischen Union geförderten Projekt zur Güterzertifizierung für elektronischen Einkauf. Europa-Koordinator Harald Jansen will durch verbrauchergerechte Webseiten das Vertrauen in Online- Shops zurückgewinnen, das in der Vergangenheit verloren ging. Für kleine, unbekanntere Shops kann es seiner Ansicht nach ein Vorteil sein, dasselbe Gütesiegel wie etwa Karstadt zu tragen.

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