Mastercard-Website lahmgelegt
Wikileaks-Sympathisanten starten Gegenangriff

Nach Cyberattacken auf die Enthüllungsplattform Wikileaks und mehreren Unternehmen, die die Geschäftsbeziehungen zu dem er Enthüllungsplattform abgebrochen haben, rollt eine Protestwelle durch das Netz. Dabei bedienen sich auch die Anhänger von Wikileaks inzwischen auch Cyberattacken.
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DÜSSELDORF. Die aktuelle Runde im "Informationskrieg" um Wikileaks geht an die Enthüllungsplattform: Noch immer sind die US-Depeschen erreichbar - inzwischen auf über 1000 Servern weltweit verteilt. Die französische Regierung scheiterte am Mittwoch vorerst mit ihrem Vorhaben, die Website vom Server der Firma OVH zu verbannen. Das Unternehmen hatte zwei Gerichte mit der Klärung der juristischen Sachlage beauftragt. Auch der deutsche Serveranbieter Hetzner erklärte am Dienstag, das Unternehmen werden nicht aktiv gegen Kunden vorgehen, die Wikileaks-Inhalte auf ihren Servern anbieten.

Etwas voreiliger waren zuvor Amazons Speicher-Dienst, der Domain-Provider EveryDNS, der Online-Zahldienstleister Paypal und der Kreditkartenbetreiber Mastercard. Sie kündigten ihre Vertragsbeziehungen zu Wikileaks - im Falle von EveryDNS immerhin mit Vorwarnung, wie Wired berichtete. Noch immer ist die Plattform unter der Domain wikileaks.org nicht mehr zu erreichen. Auch der deutschen Wau-Holland-Stiftung, die ein Großteil des Spendenaufkommens von Wikileaks verwaltet, wurde der Paypal-Account gesperrt. Am Mittwoch teilte die Stiftung mit, durch die Kündigung könne derzeit auf eine Spendenhöhe von 10 000 Euro nicht zugegriffen will. Der Verein will daher Paypal verklagen.

"Kündigung erfolgt, es lebe Wikileaks"

Die Solidarität mit Wikileaks im Internet ist groß. Inzwischen bekennen sich mehr als eine Millionen Facebook-Nutzer als "Fan" von Wikileaks. Auf Blogs, Twitter und Facebook kündigten in den vergangenen Tagen Tausende Nutzer an, ihre Accounts bei Ebay, Papayl oder Amazon zu löschen. Paypal, eine Tochter des Online-Auktionshauses Ebay, hatte das Spendenkonto von Wikileaks nach eigenen Angaben gekündigt, weil das Unternehmen keine "illegalen Aktivitäten" fördern wolle. Die Kommentar-Funktion Unternehmens-Blog von Paypal wurde nach einer Flut negativer Kommentare abgeschaltet. Auf der deutschen Facebook-Seite des Unternehmens wurden am Mittwoch noch immer im Minutentakt Kommentare auf der virtuellen Pinnwand veröffentlicht. Die überwiegend jungen Facebook-User kritisieren Paypal scharf und kündigen die Schließung ihres Accounts an.

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  • Auf Wikileaks wurden ja beweismittel für Kriegsverbrechen der USA im irak und Afghanistan veröffentlicht. Da Mastercard laut mehreren Medienberichten die Mastercard Konten von Wikileaks geperrt hat, habe ich den Eindruck, daß Mastercard die auf Wikileaks publizierten Kriegsverbrechen zumindest befürwortet und sich an deren Vertuschung gegenüber Wahlberechtigten aktiv durch Sanktionierung von Wikileaks beteiligt.

    Da ich aus nachvollziehbaren moralischen Gründen prinzipiell keine Geschäftsverbindung mit Firmen unterhalte, die sich an Kriegsverbrechen oder deren anschließender Vertuschung aktiv beteiligen, habe ich meinen MasterCard Vertrag gekündigt.

  • Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß das veröffentlichte Material explosive Folgen haben kann. Aber warum zeigen sich die betroffenen Personen/Regierungen nicht sonderlich düpiert? Weil die das alle machen!!! Es sind doch nur (subjektive) Lageeinschätzungen und berichterstattungen, die selbst in einigen Unternehmen angefertigt werden. Allerdings hätte man aufpassen sollen, daß Taktiken nicht an die grosse Glocke gehängt werden. Diplomatie sieht anders aus!

    Aber einen großen Effekt hat die Veröffentlichung: das gewöhnliche Volk bekommt Einblick in die Arbeitsweise einer Regierung ... und kann selbst entscheiden ob wir es mit big brother/neuen Stasi zu tun haben.

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