Medion steigt beim angeschlagenen Wettbewerber Gericom ein
Neuer Schub für Konsolidierung in der Computerbranche

Der erbitterte Wettbewerb in der Computerindustrie zwingt erneut einen namhaften Anbieter in die Knie: Am Freitag kündigte der deutsche PC-Marktführer Medion an, sich mit 24,9 % am angeschlagenen österreichischen Konkurrenten Gericom zu beteiligen. Analysten gehen davon aus, dass Medion in Zukunft die Mehrheit an dem im S-Dax notierten Unternehmen aus Linz übernehmen könnte.

HB MÜNCHEN. In den vergangenen Jahren haben sich in der unter kräftigen Druck geratenen Industrie zahlreiche Konkurrenten zusammen geschlossen, um zu überleben. In den USA entstand durch die Fusion von Hewlett-Packard und Compaq der größte Computerbauer der Welt. Zudem legten die Münchener Siemens AG und der japanische Konzern Fujitsu ihre europäischen Computeraktivitäten zusammen. Zahlreiche andere Anbieter von Computern mussten ganz aufgeben. Zuletzt traf es die börsennotierte 4 MBO AG, bei der in der vergangenen Woche das Insolvenzverfahren eröffnet wurde.

Auch Gericom war in den letzten Monaten in Schwierigkeiten geraten. Das Unternehmen hatte 2003 sein selbst gestecktes Umsatzziel weit verfehlt und einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 21 Mill. Euro verbucht. Der Umsatz ging von 544 Mill. Euro auf 445 Mill. Euro zurück.

Gericom gilt wie Medion als No-Name-Hersteller. Diese Anbieter verkaufen ihre Geräte über Discounter und Supermärkte möglichst billig. Jahrelang lief das Geschäft wie geschmiert, die PCs und Notebooks sorgten für volle Läden bei Aldi, Lidl oder Media Markt. Den Markenherstellern haben diese Firmen in den vergangenen Jahren schwer zugesetzt. So kommt der weltweit äußerst erfolgreiche Computerbauer Dell in Deutschland im Privatkundengeschäft bis heute nur schwer voran. Langfristig sei die Billig-Strategie aber wenig aussichtsreich, begründete Dell-Gründer Michael Dell seine Strategie, sich hier zu Lande aus den Preiskämpfen weitgehend heraus zu halten. "Das Geschäftsmodell wird sich letztlich nicht durchsetzen. Es gibt genügend Beispiele aus den vergangenen Jahren, dass diese Anbieter einfach nicht durchhalten", sagte Dell kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt.

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