Mehr Sicherheitsvorkehrungen gefragt
„Man kann jeden betrügen“

Ob Zuhause, im Büro oder unterwegs - Computer, Handy und andere Elektronikgeräte funken, kommunizieren und tauschen ständig Daten aus. Doch die ständige Erreichbarkeit und der permanente Datenfluss bergen Risiken. In der vernetzten Welt sind mehr Sicherheitsvorkehrungen notwendig.

HB/dpa HANNOVER. "Die Probleme haben sich in den vergangenen 20 Jahren drastisch geändert", sagte auf der Cebit der Leiter des Viren-Forschungsteams beim Software-Hersteller F-Secure, Mikko Hyppönen. Habe der erste Virus, der im Januar 1986 einen Computer befallen hat, noch auf eine 3,5-Zoll-Diskette gepasst, seien die schädlichen Programme heute weitaus komplexer.

"Wir lesen den Code und versuchen zu verstehen, wie ein Virus, Wurm oder Trojaner funktioniert", erklärt er. Den Forschern hilft dabei ein Visualisierung der Schädlinge. "Damit können wir Ähnlichkeiten in den Stämmen erkennen." Schadprogramme (Malware), die Rechner lahmlegen, sind in der vernetzten Gesellschaft ein Ärgernis. "Aber es geht bei vielen Viren und Trojanern um bares Geld", sagte F-Secure-Präsident Risto Siilasmaa. So spionieren die Programme auch Zugangsdaten und Passwörter aus, um etwa auf Konten zuzugreifen.

Motivation hat sich geändert

Auch die Motivation der Malware-Schreiber ist inzwischen eine andere. "Der früher unkoordinierte Vandalismus ist durch gezielte kriminelle Aktivitäten abgelöst worden", sagte Steve Munford, Geschäftsführer von Sophos. Die britische Firma stellte auf der Messe die nach eigenen Angaben erste integrierte Sicherheitslösung sowohl für unternehmensinternen E-Mail-Verkehr als auch für die Kommunikation nach außen vor, die Hardware, Software und Beratung aus einer Hand liefert. Spam sei inzwischen eine weltweite Industrie geworden. Besonders Firmen haben Angst vor den Schädlingen, die die Systeme lahmlegen oder ausspionieren.

"Man kann jeden betrügen", sagt Eugene Kaspersky, der die Forschung nach neuen Computerviren beim russischen Software- Hersteller Kaspersky Lab leitet. "Die Kriminellen suchen neue Wege, um an die Informationen zu kommen, die sie von den Leuten haben wollen." So sei Phishing - Versuche, über gefälschte E-Mails fremde Passwörter abzugreifen - auf dem Rückmarsch. Es gebe aber neue Ideen: In Japan hätten Hacker die Kundendatei einer Bank geknackt und CDs mit bösartiger Software an alle verschickt. "Es gibt eine Menge Möglichkeiten", sagte der Viren-Experte. "Obwohl hunderte von Internet-Kriminellen verhaftet wurden, hatten wir doppelt so viele Typen bösartiger Software. Das ist ein florierendes Geschäft."

Der Großteil der Angriffe komme aus China und spanisch- oder portugiesischsprachigen Ländern, aber auch aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa. Dabei komme den Kriminellen die Naivität vieler Internet-Nutzer zugute. "Manche Leute denken einfach, dass das Internet eine Art virtuelle Welt darstellt", sagte Kaspersky. "Aber aus dieser virtuellen Welt hat man Zugang zu Informationen aus der realen Welt wie etwa Kontozugangsdaten." Viele machten sich immer noch nicht ausreichend Gedanken über Sicherheitsfragen.

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