Menüvorschläge vom Kühlschrank wollen die Kunden nicht
„Orakel von Hannover“ irrt manchmal

Bill Gates hatte das Jahr 2005 klar vor Augen - vor zehn Jahren, als er die Besucher der Computerschau Cebit mit einem Videofilm fesselte.

HB DÜSSELDORF. Seine Vorstellungen: Polizisten verschaffen sich bereits auf dem Weg zum Tatort mit Hilfe modernster Technik einen Überblick über das Verbrechen und steuern ihren Einsatzcomputer im Auto mit Sprachbefehlen; Notärzte kommunizieren während der Fahrt zum Krankenhaus über eine Videoverbindung mit der Klinik; Schüler recherchieren ihre Referate im Cyberspace und halten sie in Klassenzimmern vor riesigen Multimedia-Wänden; Mütter funken den Kindern Taschengeld in ihre im Mobiltelefon eingebauten elektronischen Brieftaschen.

"Sie werden sehen, diese Technik wird sich ganz natürlich in unser Leben einfügen", dröhnte der Gründer des Softwarekonzerns Microsoft. In seiner Videopräsentation vereinte er all das, wofür die Cebit steht: Fortschritt und Visionen, Irrungen und Wirrungen. So ist der einfache Zugriff aufs Internet heute gang und gäbe. Die Kommunikation mit dem Computer aber funktioniert immer noch per Tastatur, kaum jemand gibt dem Computer Sprachbefehle - und mit dem Handy zahlen die Wenigsten.

Ab Donnerstag werden Profis aus der IT- und Telekommunikationsbranche sowie Privatleute wieder nach Hannover pilgern, um den Geist der Zukunft zu erhaschen. Und wie in der Vergangenheit werden manche Aussteller wieder treffend die Zukunft beschreiben, während andere auf der Cebit verkündete Neuerungen nur als Fußnote in die Technikgeschichte eingehen werden. "Hannover ist so so etwas wie Delphi, wo man hinfährt, um das Orakel zu befragen", sagte Wirtschaftsminister Karl Schiller schon in den sechziger Jahren über die Mutter aller Cebits, die Hannover Messe. 1970 entschlossen sich die Veranstalter, die Messe aufzuteilen und dem Teil Büroindustrie eine eigene Ausstellung zu widmen - mit dem Namen "Centrum für Büro- und Informationstechnik", kurz Cebit. Eine modernere Fassung des Schiller-Zitats ist inzwischen das Motto dieser Zellteilung: "Get the spirit of tomorrow."

Wirklich um einige Jahre ihrer Zeit voraus waren beispielsweise Aussteller wie die Deutsche Bundespost, die schon 1984 die "Telebox" vorstellte - einen Vorläufer der heutigen E-Mail. Oder die Deutsche Telekom, die 1998 eine Technik präsentierte, mit der das gewöhnliche Telefonkabel zu einem Internet-Turbo aufgerüstet wird: DSL hieß das Zauberwort, das heute für einen Wachstumsbringer der Branche steht. Auch Digitalkameras und DVD-Spieler traten in erstaunlich kurzer Zeit ihren Siegeszug an.

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