Messenger-Apps

Datenschutzlücken bei WhatsApp und Co.

WhatsApp, Facebook, Threema: Die Welt der Messenger-Apps ist unübersichtlich. Viele Anbieter nähmen es mit dem Datenschutz nicht so genau, so die Stiftung Warentest. Der Vorzeigekandidat: ein Unternehmen aus Deutschland.
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Verschlüsselung, Datenzugriff, Umgang mit Kundeninformationen: Die „Stiftung Warentest“ hat Messenger-Apps auf Datenschutzlücken überprüft. Quelle: dpa
Sichere Messenger

Verschlüsselung, Datenzugriff, Umgang mit Kundeninformationen: Die „Stiftung Warentest“ hat Messenger-Apps auf Datenschutzlücken überprüft.

(Foto: dpa)

BerlinDie beliebten Messenger-Apps WhatsApp und Facebook-Messenger praktizieren einen fragwürdigen Umgang mit persönlichen Daten der Nutzer. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung. WhatsApp und der Facebook-Messenger wurden in der Datenschutz-Kategorie am schlechtesten bewertet und erhielten hier nur ein „ausreichend“. Testsieger wurde die App Hoccer aus Deutschland, dicht gefolgt von Threema aus der Schweiz.

Die Tester nahmen sich jeweils neun Apps für die Betriebssysteme Android von Google und iOS von Apple vor. Sie untersuchten unter anderem, ob der jeweilige Messenger eine Ende-zu-Ende-Verschlüsslung der verschickten Nachrichten bietet, welche Daten beim Einrichten des Dienstes abgefragt werden, und ob die Anwendung automatisch das Adressbuch des Smartphones ausliest. Geprüft wurde auch, welche Informationen an andere Anwender weitergereicht werden – zum Beispiel, dass der Nutzer eine Nachricht bereits gelesen hat oder dass er gerade eine Antwort tippt, und ob sich dies abschalten lässt.

Bei WhatsApp, dem hierzulande beliebtesten Messenger, bemängeln die Experten, dass automatisch das Telefonbuch ausgelesen wird. Ob es für alle Nutzer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gebe, sei unklar. Kritisiert werden außerdem die Rechte, die sich das Programm bei der Installation geben lässt, zum Beispiel Zugriff auf den Standort des Nutzers.

Der Facebook-Messenger schneidet unter anderem deswegen mit „ausreichend“ ab, weil das Programm keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet. Somit könne der Anbieter alle Nachrichten mitlesen, kritisiert Stiftung Warentest. Die Anzeige des Onlinestatus und die Lesebestätigung lassen sich zudem nicht abschalten.

Was sich bei Facebook künftig ändert
Facebook
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Ab Freitag (30. Januar) gelten im sozialen Netzwerk Facebook neue Geschäftsbedingungen. Dann haben Nutzer mehr Möglichkeiten, Privatsphäre- und Sichtbarkeitseinstellungen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite bringen die neuen AGB aber auch eine viel detailliertere und zielgerichtetere Verfolgung des Nutzerverhaltens mit sich.

Mit einem Log-in nach dem 30. Januar stimmen Nutzer den neuen AGB automatisch zu, ein Widerspruch ist nicht möglich. Nutzer haben zwei Möglichkeiten: Akzeptieren oder Abmelden. Doch auch wenn man einzelnen Punkten nicht widersprechen kann, ist es wichtig, sich darüber bewusst zu sein, was mit den eigenen Daten geschieht. Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick.

File illustration photo of electronic cables silhouetted next to the logo of Facebook
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Datenschutz

Facebook will es Nutzer leichter machen, zu entscheiden, wer ihre Inhalte sieht. Dazu gibt es jetzt interaktive Anleitungen und auch Möglichkeiten, die Analyse von besuchten Seiten und Apps zu kontrollieren. Hier muss der Nutzer aber aktiv tätig werden. Neue Funktionen müssen in der Regel abgestellt werden, wenn man mit ihnen nicht einverstanden ist. Und trotz aller Einstellungen: Facebook erfährt alles und kann es möglicherweise auswerten.

Facebook ändert seine Nutzungsbedingungen. Wer sich ab dem 30. Januar 2015 anmeldet, stimmt ihnen zu. Der einzig mögliche Widerspruch dagegen ist die Abmeldung. Foto: Franziska Gabbert
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Standortdaten

Künftig können Standortdaten mit denen der Freunde und mit Werbeanzeigen verbunden werden. Wer seinen Standort teilt, kann etwa Informationen über Restaurants in der Nähe oder Neuigkeiten von Freunden angezeigt bekommen. Wer das nicht möchte, sollte der Facebook-App auf seinem Smartphone wenn möglich keinen Zugriff auf das GPS-Modul gewähren. Allerdings räumt nicht jede Plattform diese Möglichkeit ein.

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Werbung I

Facebook will Werbung auf den Einzelnutzer zuschneiden. Bislang werden die Inhalte der Werbeanzeigen aus „Gefällt mir“-Angaben und anderen Aktivitäten im Netzwerk generiert. Bald sollen auch besuchte Webseiten und genutzte Apps ausgewertet werden. Das Netzwerk ist in der Lage, die Aktivitäten seiner eingeloggten Nutzer im Netz teilweise nachzuvollziehen.

Wer dann etwa online ein Paar Sportschuhe kauft, könnte beispielsweise Anzeigen für Sportkurse oder andere Trainingskleidung sehen. Wer Urlaubsziele recherchiert, sieht Werbung von Reiseveranstaltern.

File illustration photo of people silhouetted as they pose with mobile devices in front of a screen projected with a Facebook logo
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Werbung II

Künftig sollen Facebook-Nutzer Werbeanzeigen auf ihre Relevanz bewerten können. Dazu wird auch sichtbar gemacht, in welche Zielgruppe Facebook die Nutzer einordnet und warum man eine bestimmte Anzeige sieht. Laut Facebook soll so sichergestellt werden, dass Nutzer nur relevante Werbung sehen.

Die neue Einstellung für Werbeanzeigen geben dem Nutzer zwar mehr Kontrolle, ein großer Gewinn sind sie aber nicht, wie Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) vom Bundesverbraucherschutzministerium bei der Vorstellung der neuen AGB Ende November 2014 urteilte: „Gleichzeitig erhält Facebook so aber auch noch mehr werberelevante Informationen über den Nutzer.“

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Neue Funktionen

Das Netzwerk will seine Kunden durch neue Optionen wie einen „Kaufen“-Knopf enger an sich binden. So könnte der Kauf von Waren direkt über das Facebook-Konto erfolgen. Damit könnte das Unternehmen neben Nutzungsdaten auch an Einkaufsgewohnheiten und Zahlungsdaten der Kunden kommen. Durch Zusammenführung dieser Daten lassen sich umfassende Personenprofile erstellen.

Mark Zuckerberg
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Verbraucherschützer empfehlen grundsätzlich, die Sichtbarkeit von Beiträgen stark zu kontrollieren und in den Privatsphäre-Einstellungen auf minimale Auswertung der persönlichen Daten zu Werbezwecken zu setzen. Und Facebook-Nutzer müssen wachsam sein, sagt Rechtsanwältin Sabine Petri von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Man sollte regelmäßig nachsehen, ob die Einstellungen noch so sind, wie man sie eingestellt hatte.“

Dass es auch anders geht, zeigt laut Stiftung Warentest die kostenlose App Hoccer, die unter den Android-Programmen die beste Datenschutz-Bewertung erhielt. Der Umgang mit persönlichen Daten sei „vorbildlich“. Da die App auch bei den anderen Test-Aspekten „Funktion“ und „Handhabung“ gut abschnitt, wurde sie mit knappem Vorsprung vor Threema Testsieger. Die besten Datenschutzvoraussetzungen bietet laut Stiftung Warentest die iOs-Version der App ChatSecure, die aber schwer einzurichten sei und daher vor allem für „technisch Versierte“ tauge. Die Untersuchung wurde in der August-Ausgabe der Zeitschrift „Test“ veröffentlicht.

  • afp
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