Microsoft-Betriebssystem

Neues Windows kommt im Oktober

Microsoft feuert in den kommenden Monaten ein Neuheiten-Feuerwerk ab. Alles überragend ist das PC-Betriebssystem Windows 8. Konzernchef Steve Ballmer verspricht „das gewaltigste Jahr in der Geschichte von Microsoft“.
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Eine Windows 8-Illustration von Microsoft. Windows 8 kommt im Oktober. Quelle: dpa

Eine Windows 8-Illustration von Microsoft. Windows 8 kommt im Oktober.

(Foto: dpa)

TorontoDas Warten hat ein Ende: In wenigen Monaten kommt das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8 auf den Markt. Die Auslieferung der Software an die PC-Hersteller starte Anfang August; ab Ende Oktober würden dann die ersten Computer mit Windows 8 in den Handel kommen, sagte die verantwortliche Microsoft-Managerin Tami Reller am Montag in Toronto. Firmenkunden können schon eher an das Betriebssystem herankommen.

Parallel stehe auch das Upgrade zur Verfügung, mit dem ältere PC zu Windows-8-Maschinen aufgerüstet werden können, kündigte Reller an. Wer heute einen Computer mit Windows 7 kauft, kann in den USA später für 14,99 Dollar zu Windows 8 umschwenken. Das wären umgerechnet gut 12 Euro. Genaue Upgrade-Preise für Deutschland stehen nach Angaben einer Firmensprecherin jedoch noch nicht fest.

„Windows 8 ist das größte Ding für Microsoft in mindestens 17 Jahren“, sagte Konzernchef Steve Ballmer zum Auftakt der jährlichen Konferenz für Partnerfirmen. Damals war Windows 95 herausgekommen. Dessen Bedienkonzept hat bis heute überlebt. Windows 8 dagegen ist entwickelt worden, um neben klassischen PC auch die boomenden Tablet-Computer mit ihrem berührungsempfindlichen Bildschirm anzutreiben. Charakteristisch ist das sogenannte Kachel-Design mit verschieden großen farbigen Flächen zum Starten der Programme.

Schocktherapie für Windows-Nutzer
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Flotter Start

Zum Start ein Fisch: Windows 8 startete in unserer virtueller Testumgebung auf einem aktuellen iMac innerhalb des Virtualisierungsprogramms Virtualbox binnen Sekunden. Der Fisch zeigt übrigens an, dass es sich um die Consumer-Vorschau-Variante des kommenden Windows-Systems handelt. Schon in der Beta-Version von Windows 7 kam der Kampffisch (Gattung Betta) zum Einsatz, aus der fertigen Version wird er verschwunden sein.

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Wischen ist angesagt!

Dann werden wir von einem schicken Login-Screen begrüßt. Nun gilt es bereits, sich dem neuen Windows-Paradigma zu nähern: Wischen statt klicken! Erst nachdem der Login-Screen mittels Wisch-Geste nach oben verschoben wurde, dürfen wir uns einloggen. Damit ist eine der beiden wichtigsten Gesten eingeführt: Das Wischen zum Scrollen von Inhalten. Die zweite wichtige Geste bei Windows 8 ist das einfach antippen einer Schaltfläche - der Doppelklick hat auf der Metro-Oberfläche ausgedient.

Übrigens: Wer bei der Installation dem Wunsch von Microsoft widerspricht, sich einen Microsoft-Account für Windows 8 anzulegen, landet nach dem Start direkt auf der Metro-Oberfläche ohne den Login-Screen.

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Kacheln statt Fenster

Und dann das: Bunte große Kacheln statt Fenster. Auf einen Blick wird hier deutlich, warum Microsoft-Chef Steve Ballmer Windows 8 als die bislang “riskanteste Produktwette” von Microsoft bezeichnet. Windows 8 ist der bislang größte Traditionsbruch in der Geschichte des Windows-Systems, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1983 zurückreichen.

Windows 8 hat sich von Windows Phone 7 inspirieren lassen, damit es sich genauso mittels Touch-Gesten steuern lässt wie mittels Maus auf dem PC. Anwendungen (“Apps”) und Widgets wie das aktuelle Wetter werden als Kacheln dargestellt. Für jede installierte Anwendung hängt Windows 8 eine weitere Kachel auf dem Startbildschirm an. Vorsortiert wird dabei nicht - die Sortierung übernimmt der Nutzer.

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Anwendungen im Metro-Gewand

Ein Klick auf die Kachel Internet Explorer und wir landen in dem Microsoft-Browser in der Metro-Variante. Bislang gibt es nur eine Handvoll mit Windows 8 ausgelieferte Microsoft-Programme, die in dem Vollbild-Metro-Modus laufen. Unter anderem von Googles Webbrowser Chrome und Mozillas Browser Firefox sind Metro-Varianten angekündigt.

Ältere Windows-Software sieht dagegen auch unter Windows 8 so aus wie immer - und lässt sich damit per Touch-Bedienung nach wie vor nicht vernünftig bedienen. Anderseits ist die Bedienung der Metro-Programme mit der Maus äußerst gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir eine Webadresse in den Browser eingegeben hatten, ist die Adressleiste plötzlich verschwunden. Erst ein Klick auf den unteren Rand des Fensters bringt sie zurück - und das erst nach einigem Ausprobieren. Alternative: ein Rechtsklick.

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Anfängliche Verzweiflung: Wo geht’s hier raus?

Und wie kommen wir nun aus dem Internet Explorer wieder raus? Ein “X” ist nirgendwo zu finden. Die altebekannte Tastenkombination Alt+F4 funktioniert auch nicht. Also schnell gegoogelt. Fazit: Wie bei einem Tablet-Konzept üblich, lassen sich die Metro-Apps gar nicht mehr so einfach beenden. Sie laufen im Hintergrund weiter und werden nur noch ausgeblendet.

Und wie blendet man die App nun aus? Bei der Touchbedienung wird von rechts in den Bildschirm gewischt, um die sogenannten Charms - so nennt Microsoft das dann auftauchende Menü - herbeizuzaubern. Doch wie geht das mit der Maus? Erst ein Demonstrationsvideo von Microsoft bringt die Erkenntnis: den Cursor nach ganz unten oder ganz oben links bewegen. Damit werden die Charms rechts (siehe Screenshot) aufgerufen - und damit die Schaltfläche “Start”, um auf die Metro-Oberfläche zurückzukehren. Generell funktioniert mit der Maus vieles anders als mit der Touch-Bedienung - und manches ist auch unnötig verwirrend.

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Zurück zum Gewohnten

Fast wie Windows 7 sieht dagegen der klassische Desktop aus. Zu ihm gelangt der Nutzer jederzeit über den Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche. Hier lässt sich auch wie gewohnt das Dateisystem mittels Windows Explorer durchforsten. Auch ansonsten beruhigt den eingefleischten Windows-Fan hier endlich ein gewohnter Anblick: Im unteren Bereich ist immer noch die Taskleiste, in der links die laufenden Programme und rechts Systemicons wie Lautstärkeregler, Warnungen des Wartungscenters und ein Netzwerk-Symbol angezeigt werden.

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Einfach drauf lostippen

Haben Sie beim letzten Bild etwas bemerkt? Ganz wie Windows 7 sah der Desktop doch nicht aus. Was fehlt? Genau, der mit Windows 95 eingeführte Windows-Start-Button ist ersatzlos gestrichen worden. In der ersten nur an Entwickler gerichteten Vorschau von Windows 8 war er noch vorhanden. Wie kommt der Anwender nun an seine Programme? Die Antwort ist für alte Windows-Hasen sehr ungewohnt: einfach drauf lostippen. Das funktioniert elegant und superflink - allerdings nur von der Metro-Startfläche aus, nicht vom Desktop. Wie bisher lassen sich Verknüpfungen auf Programme aber auf den Desktop oder in die Taskleiste legen. Zum Start aller anderen Anwendungen führt nun aber kein Weg am Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche vorbei.

„Wir scherzen nicht, wenn wir sagen, wir haben Windows neu erfunden“, sagte Ballmer. So ist es möglich, seine Einstellungen und Programme von einem Computer auf den anderen zu übertragen. Windows 8 soll damit den fließenden Übergang vom heimischen Tischrechner zum Notebook zum Tablet-Computer ermöglichen. Auch das Smartphone wird eng in die neue Windows-Welt eingebunden. Ein „SkyDrive“ genannter Dienst erlaubt bereits jetzt die zentrale Speicherung von persönlichen Daten in Microsoft-Rechenzentren.

Windows spült neben den Office-Büroprogrammen das meiste Geld in die Firmenkasse. „Windows ist das Herz und die Seele von Microsoft“, erklärte Ballmer. „Es ist die Basis, auf der Microsoft errichtet worden ist.“ 1,3 Milliarden Rechner weltweit liefen mit den diversen Varianten des Betriebssystems, auf 630 Millionen davon sei das aktuelle Windows 7 installiert.

Das neue Windows 8 wird in 109 Sprachen auf 231 Märkten eingeführt. Die verantwortliche Managerin Reller versprach „hunderte Geräte“ der PC-Hersteller. Um den stark wachsenden Markt der Tablet-Computer zu bedienen, hatte Microsoft allerdings jüngst seinen eigenen schlanken Rechner namens Surface angekündigt. Dieser soll zeitgleich mit Windows 8 im Herbst erscheinen. Surface sei ein Design-Ansatz, erklärte Konzernchef Ballmer. „Das wird nicht die Bedeutung unserer Partner schmälern.“

Neben Windows 8 und der Variante Windows RT für Tablet-Computer auf Basis der stromsparenden ARM-Chiparchitektur wird in diesem Jahr noch Windows Phone 8 für Smartphones erscheinen. Hinzu kommen zahlreiche Programme für Firmenkunden. „Dies ist das gewaltigste Jahr in der Geschichte von Microsoft“, sagte Ballmer. In Toronto treffen sich noch bis Donnerstag 16 000 Software-Spezialisten aus aller Welt, die Microsoft-Produkte vertreiben und warten. Es ist es die größte Zusammenkunft im Microsoft-Kosmos.

  • dpa
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  • Als einfacher Anwender kann ich nur folgendes dazu sagen.Älteres Netbook mit XP läuft stabil schnell und USB Geräte wie Surfstick werden schnell gestartet. So, modernes Netbook E PC Asus Windows 7 ,da ruckelt das Starten des Surfsticks alles hängt immer wieder und ein Privater Bilbschirmschoner geht erst recht nicht . Mein Eindruck es ist ein Laden der viel Saftware Verkaufen will und nicht merkt wie die Leute sauer sind. Ach ja wollte ein Photo im Bilderordner punktuell seitlich vergössern , geht nicht mehr wie bei XP, nur noch zentriert zum zoomen und die Räder kippen aus dem Bildschirm wie Saft auf einen Tisch gekippt. Red Bull Saftladen ist dann hoffentlich die nächste Stufe und wir sind von Mini microsoft befreit . Nokia lässt grüssen

  • Windows hat eine extreme Marktdurchdringung deshalb glaube ich die Erfolgsgeschichte setzt sich (leider) fort. Leider weil es den Markt für bessere Syteme blockiert und die Benutzer ausbeutet. Anders wären die enormen Gewinne nicht realisierbar.
    Sollten allerdings technische Probleme in massiver Form auftreten, treibt das die Anwender zu Apple. Ich bin nicht überzeugt, dass das die bessere Lösung wäre.
    Ein ganz wichtiger Punkt ist die Mobilität. Das ist der einzige Grund warum Windows an Bedeutung verliert. Ballmer hat das erkannt und nimmt jetzt viel Geld in die Hand um Windows 8 Mobil für App-Entwickler interessant zu machen.
    Die Zukunft von Microsoft wird durch Windows 8 Mobil entschieden.

  • Balmer hat recht "gewaltiges Jahr in der Geschichte von MS"

    - und VOLL in den Untergang wird es gehen !

    Window8 - gesehen und laut gelacht !

    Das wird MEGAMÄSSIG floppen, die meisten Leute, die noch XP haben bleiben dabei bis 2014. Danach ist Windows 7 so richtig ausgereift, das geht noch 2020.
    Außerdem wird Reactos - ein freies Quelloffenes Alternatives WINDOWSKOMPATIBLES Betriebssystem immer besser. ja, es ist noch nicht 100% stabil, aber gebt den Jungs noch 2 Jahre !

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