Microsoft setzt auf Bots
Nadella ruft das Ende der Apps aus

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Chatbot „Tay“ wurde zum Fiasko

Microsofts Skype mit über 300 Millionen aktiven Nutzern wird dabei nicht der einzige Dienst sein, mit dem man in Zukunft über Bots Autos mieten oder Tickets kaufen kann – und das auf iOS, Android oder Windows. Die Konkurrenz versucht bereits ähnliches, wie etwa Apple mit Siri. Allerdings ist Messenger-Dienst des iPhone-Herstellers auf konzerneigene Geräte beschränkt und bislang nicht für Entwickler außerhalb des Apple-Imperiums geöffnet.

Microsoft hingegen öffnet mit dem neuen „Microsoft Bot-Framework“ seinen intelligenten Assistenten für alle Messenger, von Facebooks WhatsApp über Line, Telegram, Slack bis hin zu SMS.

Doch so kreativ der Ansatz ist, Microsoft ist damit nicht alleine. Der 48-jährige Nadella, der 2014 Steve Ballmer an der Spitze des Konzerns abgelöst hat, muss sich also beeilen. Die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern.

Auf der kommenden Entwickler-Konferenz F8 von Facebook wird Mark Zuckerberg weitere Informationen über die Messenger-Plattform von Facebook geben. Bereits heute kann man über den Chat–Dienst Uber-Fahrten buchen. Dem Messenger fehlt nur noch die Verbindung zu einem digitalen Assistenten wie Cortana. Dann hat Microsofts Bot-Welt einen Konkurrenten mit einer Milliarde Nutzern. Google ist ebenfalls nicht untätig und baut mit Google Now an einem eigenen digitalen Assistenten für sein mobiles Betriebssystem Android.

Der Erfolg mit künstlicher Intelligenz wird für Nadellas Zukunft entscheidend sein. Er hat die Devise „Cloud first, Mobile first“ ausgegeben und Microsoft eine komplette Offenheit für alle Plattformen verordnet. Dabei nimmt er einen weiteren Bedeutungsverlust von Windows billigend in Kauf.

Doch die Rechnung wird nur aufgehen, wenn Cloud- und Big-Data-Dienste wie die Bots tatsächlich irgendwann die Umsätze und Gewinne einspielen, die bei Windows wegschmelzen. Insofern tut eine Rückversicherung gut. Windows 10 bekommt im Sommer ein neues, großes Update zum ersten Jahrestag. Man weiß ja nie, wie lange man es noch braucht.

Den ersten Flop mit der neuen Technik hat es bereits gegeben. Der Microsoft-Chatbot „Tay“, ein selbstlernender digitaler Teenager, wurde von den Nutzern mit gezielten Aktionen innerhalb von 24 Stunden vom Unschuldslamm zum rassistisch-sexistischen Hitler-Fan umprogrammiert. Tay ist jetzt offline und Microsoft geht, wie Nadella in San Francisco einräumte, „wieder zurück ans Reißbrett“, und fängt noch einmal von vorne an. Allzu oft darf das nicht passieren.

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Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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