Mikrochip im Laufschuh sorgt für individuelle Dämpfung
Adidas läuft auf schlauen Sohlen

Wechselbare Schraubstollen unter den Fußballschuhen der deutschen Nationalmannschaft beim "Wunder von Bern" brachten Adidas den Durchbruch. Jetzt stellte der Herzogenauracher Sportschuster den ersten "intelligenten" Schuh mit Halbleiter-Technologie vor.

HB MÜNCHEN. Das Wunder von Bern hatte auch "standfeste" Gründe. Vor 50 Jahren am 4. Juli 1954 regnete es in Strömen. Vor dem Endspiel der Fußballweltmeisterschaft untersuchten Adi Dassler und Bundestrainer Sepp Herberger den wasserdurchtränkten Rasen des Berner Wankdorfstadions. Gemeinsam fällten sie die Entscheidung, es mit den ganz langen Lederstollen zu versuchen. Wechselbare Schraubstollen waren damals eine Weltneuheit, die der Herzogenauracher Sportschuster nur der deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung stellte.

Die Standfestigkeit der Spieler war einer der Gründe, die den 3:2-Sieg gegen den hohen Favoriten Ungarn ermöglichte. Adi Dasslers Erfindung brachte gleichzeitig den Durchbruch für Adidas. Die hohe Kompetenz, die dem Unternehmen noch heute bei Fußballschuhen zugebilligt wird, gründet sich nach Einschätzung von Branchenexperten auf den Erfolg von damals. "Wir waren schon immer unserer Zeit voraus", sagt ein Konzern-Sprecher.

Heute reichen allerdings mechanische Entwicklungen nicht mehr aus. Im digitalen Zeitalter war es nur eine Frage der Zeit, dass die Halbleiter-Technologie auch im Sportschuh integriert wurde. Überraschend für Experten allerdings, dass Adidas-Salomon die Nase vorn hat und gestern in Portland den ersten "intelligenten" Schuh mit dem Namen "Adidas 1" vorstellte. Kompetenz in der Chiptechnologie hätten Experten eher dem Weltmarktführer Nike aus den USA zugetraut.

"Dieses Produkt wird die gesamte Sportartikelindustrie verändern", gibt sich Adidas-Marketingvorstand Erich Stamminger überzeugt. Große Worte, aber die Herzogenauracher freuen sich, nach drei Jahren geheimer Entwicklungszeit in den Laboren von Portland dem Wettbewerber voraus zu sein. Nur ein ganz kleiner Kreis von sechs Entwicklern war außer dem Vorstand eingeweiht. "Es gab niemanden, der uns bei der Lösung helfen konnte, da derartiges noch nie zuvor umgesetzt wurde", sagt Forschungsleiter Christian DiBenedetto.

Herausgekommen ist ein Schuh, der sich während dem Lauf an die individuellen Dämpfungsanforderungen des Läufers anpasst. Das System funktioniert nachdem Modell einer menschlichen Reflexhandlung, nach dem typischen Ablauf: Reiz, Nerv, Gehirn, Nerv, Muskel.

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