Milliarden-Ausschreibung in Deutschland zu spät für Fußball-WM
Digitaler Funk revolutioniert Polizeiarbeit

Die lichtdurchflutete Kommunikationszentrale der Strathclyde Police in Glasgow steckt voller Hightech. Polizeibeamte in weißen Hemden sprechen in Headsets, drücken bunte Kästchen auf Touchscreens, verfolgen per Überwachungskamera, wie die Feuerwehr einen Pub-Brand bekämpft. „Kunden“ heißen die Anrufer hier und an den pastellfarbenen Wänden posieren lachende Polizisten mit Kleinkindern auf professionellen Fotos.

GLASGOW. Doch weder das Ambiente einer jungen Telekomfirma noch das nagelneue Call-Center sind der Stolz der Polizeiführung. Es ist der digitale Funk, mit dem die Streifenpolizisten seit kurzem Verbindung zur Zentrale halten, der die ansonsten nüchternen Herren begeistert. „Das neue System revolutioniert die Polizeiarbeit“, sagt Deputy Chief Constable Ricky Gray. Das Funknetz auf Basis des Tetra-Standards bietet für die britische Polizei bis zu 2000 Kanäle gleichzeitig statt vier bis acht beim analogen Funk. Die Zentrale weiß immer, wo ihre Polizisten sind, kann sie jederzeit erreichen, ist besser informiert und kann deshalb schneller entscheiden. „Jeder, der das zum ersten Mal benutzt, ist beeindruckt von der Zuverlässigkeit und der Sprachqualität“, sagt Gray und wiegt ein Gerät in der Hand, das in etwa wie ein fünf Jahre altes Handy aussieht. Nur die lange Antenne und der stoßfeste Gummimantel verraten den Profi-Einsatz.

Die Feuertaufe hat das von Motorola entwickelte und von O2 aufgebaute und betriebene landesweite „Airwave“-Netz Anfang Juli bestanden. Geplant in Schottland, wo es sich beim G8-Gipfel in großem Stil bewährte. 12 000 Beamte aus 51 britischen Polizeikräften wurden aus einem Kontrollzentrum gelenkt, ohne dass das System in die Knie ging. Ungeplant musste sich Airwave zeitgleich in London bewähren. Hier kollabierte nach den Terroranschlägen das öffentliche GSM-Mobilfunknetz, doch Airwave stellte sicher, dass sich Polizei, Feuerwehr und Sanitäter verständigen konnten.

In 60 Ländern gibt es heute digitale Behördennetze. Doch Deutschland hängt hinterher. Hier funken die „Blaulicht-Dienste“ zwar schon im gemeinsamen Netz, doch das ist noch analog. 2002 beschlossen Bund und Länder ein digitales Netz, doch seither streiten sie sich um die Finanzierung. Innenminister Otto Schily preschte schließlich Anfang des Jahres vor: Er schrieb ein Rumpfnetz aus, das die Ballungsräume und rund die Hälfte des Landes abdeckt. Die Bundespolizei kann damit arbeiten und die Länder sollen sich nach und nach anschließen. Das Projekt wird nach Schätzung von Brancheninsidern rund sechs Milliarden Euro kosten. Rund ein Viertel davon gehen in den Aufbau des Rumpfnetzes. Den Betrieb soll ohne Ausschreibung die Bahn-Tochter DB Telematik übernehmen.

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