Ministerium will gesetzeswidrige Praxis der Apotheken tolerieren
Internethandel in den Startlöchern

Die Ankündigung des Gesetzgebers, den Versandhandel mit Medikamenten ab 2004 auch in Deutschland zu erlauben, sorgt schon jetzt für Bewegung in der Branche. Von den rund 30 Unternehmen, die derzeit noch aus dem Ausland deutsche Kunden mit Medikamenten beliefern, sind einige schon fest entschlossen im nächsten Jahr Filialen in Deutschland zu eröffnen.

pt BERLIN. So wollen Branchenprimus Doc.Morris aus den Niederlanden, der bereits drei Viertel seines Umsatzes mit Deutschland abwickelt, und die Schweizer Versandapotheke Medi-Service das Geschäft schon bald auch von Deutschland aus betreiben. Die Drogeriekette Rossmann und der Versandhändler Quelle überlegen, in das Versandgeschäft mit Pillen einzusteigen. Der Apotheker Thomas Kerkhoff, der sich bislang vor allem als Vorsitzender des noch unbedeutenden Bundesverbands der Versandapotheker (BDVA) einen Namen gemacht hat, will gemeinsam mit der Berg-Apotheke in Tecklenburg und Gesundheitsscout 24, Duisburg, in den Handel einsteigen. Das Internetportal Gesundheitsscout 24 will nach den Worten seines Geschäftsführers Dieter Zocholl im Frühjahr 2004 aktiv werden. Es weist bereits heute den Weg zu preiswerten Produkten von Erotic-Toys bis zu Babynahrung.

Selbst der Dachverband der deutschen Apotheken Abda, der mit der Sammlung von 7,7 Millionen Kundenunterschriften versucht hatte, die Liberalisierung zu stoppen, hat sich eines besseren besonnen. Seit vergangener Woche hat er sein Internetportal www.aponet.de für den Versand geöffnet. Der Kunde muss auf der Homepage lediglich Name oder Postleitzahl seines Wohnortes angeben, schon werden auf dem Bildschirm die Apotheken angezeigt, von denen er sich noch am gleichen Tag das gewünschte Präparat liefern lassen kann, sofern es in Deutschland zugelassen ist.

Bislang sind zwar an dem neuen „Home–Service“ nur rund 1200 Apotheken in Niedersachsen und Schleswig-Holstein angeschlossen. Doch die bundesweite Ausdehnung soll folgen, kündigt Abda-Präsident Hans-Günter Friese an. „Das Vorpreschen der Abda ist klar gesetzeswidrig“, reagierte die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk, auf den Vorstoß. Bis zum Inkrafttreten der Gesundheitsreform bleibe es beim geltenden Recht. Und danach dürften die Apotheken nur in Ausnahmefällen Medikamente nach Hause liefern. „Doch wir werden das tolerieren,“ fügt sie hinzu. Schließlich sei es zu begrüßen, dass die Apotheken sich so schnell umgestellt hätten, nachdem sie monatelang gegen den Versandhandel mobilisiert hatten. „Nun stellen wir fest, dass die Abdasich in aller Stille vorbereitet hat.“ Als vorbildlich bewertet sie das elektronische Rezept, das der Verband entwickelt hat.

Ob der Versandhandel in Deutschland ein Geschäft wird, ist allerdings eine offene Frage. Denn die Auflagen sind erheblich. Der Versand darf nur von öffentlichen Apotheken mit behördlicher Erlaubnis durchgeführt werden. Quelle und Arzneimittelgroßhändler wie Celesio und Phoenix, die über genügend Einkaufsmacht verfügen, um im Preiswettbewerb erfolgreich zu sein, müssen sich daher Kooperationspartner unter den Apotheken suchen und mit ihnen den Gewinn teilen. Schließlich muss auch beim Versandhandel die Preisspannenverordnung angewendet und die Patientenzuzahlung erhoben werden. Dadurch dürfte mancher Preisvorteil, mit dem die im Ausland ansässigen Versender derzeit Kunden locken, hinfällig werden.

Quelle: Handelsblatt

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