Mit Grafikkarten auf Höchstgeschwindigkeit
Supercomputer für den Schreibtisch

Wer die neueste „Grafikkarte“ des Pixelspezialisten Nvidia in seinen Rechner steckt, wird den Monitorausgang vermissen. Das ist kein Versehen, sondern gewollt, denn die fast 1 500 Dollar teure Tesla-C870-Einschubkarte für den PC kann keine hochauflösenden 3D-Bilder auf den Bildschirm zaubern, sondern nur rechnen – das allerdings äußerst schnell. Die Steckkarte macht den Tischrechner zu einem Supercomputer.

DÜSSELDORF. Mit der Technik wird Nvidia zu einem neuen Herausforderer der traditionellen Supercomputer-Hersteller auf der Internationalen Supercomputer-Konferenz ISC in Dresden, die heute beginnt. Mit der neuen Tesla-Familie steigt der Grafikkartenspezialist erstmals in das Geschäftsfeld Supercomputing ein und legt sich mit Branchenriesen wie NEC oder IBM an. Der Datenbooster, der in einen normalen Steckplatz am PC passt, verwandelt einen Standardrechner in einen Supercomputer mit bis zu 500 Gigaflops. Zum Vergleich: Ein einzelner Cell-Prozessor von IBM mit acht Kernen, der auch die brandneue Videospielekonsole Playstation 3 antreibt, kommt auf gute 200 Gigaflops. Und die Grafikkarte „Nvidia GeForce FX 5800“, die 2003 noch der Traum aller Computerspieler war, erreichte damals nicht einmal 20 Gigaflops.

Für noch höhere Ansprüche bietet Nvidia zusätzlich flache Einschubsätze an, so genannte „Blades“, die in den Rechnerschränken der Rechenzentren übereinander gestapelt mit bis zu acht Tesla-GPUs und über 1 000 parallelen Prozessoren arbeiten. Damit erreichen die pro Stück über 12 000 Dollar teuren Rechner zusammen mehrere Teraflop Rechenleistung.

Die Power aus dem Grafikchip ersetzt allerdings keine normale CPU (Central Processing Unit) wie sie der PC-Käufer von Intel oder AMD gewohnt ist oder einen Cell-Prozessor, der etwa die Playstation 3 zum Linux-Rechner verwandelt. Diese Hauptprozessoren müssen weiter vorhanden sein, um die verschiedensten Funktionen eines Rechners wie das Betriebssystem oder Festplatten zu steuern. Denn die GPU (Grafics Processing Unit) ist nur in ganz speziellen Bereichen unschlagbar. Während eine klassische CPU nur einen Arbeitsschritt nach dem anderen abarbeiten kann, erledigt eine GPU aufgrund ihrer parallelen Architektur viele Berechnungen gleichzeitig. Nur so kann die Grafikkarte hochauflösende Bilder von PC- und Videospielen mit ihren enormen Datenmengen in Bruchteilen von Sekunden berechnen und auf die Monitore bringen.

GPU-Supercomputing ist also praktisch ein Abfallprodukt des Hungers der Videospieleindustrie nach immer hochauflösenderen Bildern. Zuerst wurden immer mehr parallele Recheneinheiten und Datenleitungen eingebaut, dann wurden die Grafikchips selbst programmierbar. Das war die Geburtsstunde des GPU-Computing.

Seite 1:

Supercomputer für den Schreibtisch

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%