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Mittelstand plant zunehmend mit „digitalen Fabriken“

In Halle 17 der Hannover Messe ist Fabrik-Atmosphäre greifbar: Klobige Fertigungsroboter lärmen, Förderbänder schnurren, Aussteller präsentieren superelastische Stromkabel zum Anfassen. Eine Halle weiter ist von alledem bei der Fachmesse „Digital Factory“ nichts zu entdecken.

dpa HANNOVER. In Halle 17 der Hannover Messe ist Fabrik-Atmosphäre greifbar: Klobige Fertigungsroboter lärmen, Förderbänder schnurren, Aussteller präsentieren superelastische Stromkabel zum Anfassen. Eine Halle weiter ist von alledem bei der Fachmesse „Digital Factory“ nichts zu entdecken.

Hier können die Messegäste zwar komplette Fabriken durchschreiten - allerdings nur am Computerbildschirm. Große Konzerne, vor allem die Autoindustrie, nutzen diese Möglichkeiten längst. Nach einer neuen Studie wächst das Interesse nun auch beim Mittelstand. Speziell auf kleinere Unternehmen zugeschnittene Angebote gibt es bisher aber kaum.

Vorteile bietet die „digitale Fabrik“ für Unternehmen, die ihre Produktion verändern wollen - wenn neue Produkte hergestellt oder bestehende Arbeitsabläufe effizienter werden sollen. Am Computer können die Planer ihre Ideen Kosten sparend überprüfen und Alternativen ausprobieren, bevor sie in die reale Produktion eingreifen.

20 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen nutzen bereits jetzt Teillösungen der „digitalen Fabrik“, so lautet das Ergebnis einer Untersuchung des Stuttgarter Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA). Zwar haben nur 128 Unternehmen an der Online-Befragung teilgenommen, aus Sicht des IPA geben die Ergebnisse jedoch den aktuellen Meinungsstand des Mittelstandes zutreffend wieder.

neun Prozent der befragten Unternehmen bereiten einen Einsatz der „digitalen Fabrik“ derzeit vor. Der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (Vdma), Rainer Glatz, vermutet, dass noch mehr Unternehmen auf die „digitale Fabrik“ setzten, ohne darüber zu reden. „Es geht hier um strategische Entscheidungen, um Wettbewerbsvorteile, da sind die Betriebe zurückhaltend.“

Eine virtuelle Fabrik zeigt das Software-Unternehmen Delmia an seinem Stand. Auf einem großen Bildschirm wird das Lenksystem eines Autos gedreht und gewendet - bis schließlich die in bunten Farben dargestellten Einzelteile auseinander fliegen. „In der Explosionsdarstellung kann der Planer die einzelnen Elemente betrachten und die Reihenfolge festlegen, in der sie montiert werden“, moderiert eine Delmia-Mitarbeiterin.

Große Konzerne betrachteten die „digitale Fabrik“ inzwischen als praxistauglich, sagt die IPA-Abteilungsleiterin, Sabine Bierschenk. „Kleine und mittlere Unternehmen warten bei solchen komplexen Entwicklungen erst einmal ab.“ Nun nehme jedoch der Druck für den Mittelstand zu, ebenfalls in die digitale Welt einzusteigen: In wenigen Jahren würden die Großen nur noch Unternehmen als Geschäftspartner akzeptieren, die ihre Produkte und Maschinen am Computer abbilden können.

Es gibt jedoch noch zu wenige Angebote für kleinere Betriebe. Die bestehenden Programme sind überwiegend zu komplex und mit Einstiegskosten um die 100 000 Euro zu teuer. „Mit überdimensionierten Systemen lege ich die Planung lahm“, sagt Bierschenk. Kleine Unternehmen hätten nicht das Personal, um sich in die komplexen Programme für die Großen einzuarbeiten. Die Software- Häuser seien daher dabei, abgespeckte Angebote zu entwickeln.

Die Vorteile der „digitalen Fabrik“ werden derweil bei der Vorführung am Delmia-Stand deutlich. Bei dem Versuch, das Lenksystem einzubauen, scheitert ein Roboter kläglich: Die Maschine haut das kostbare Bauteil gegen eine Säule der Produktionshalle. In der Wirklichkeit sollte das nicht passieren.

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