Mobiler Lifestyle
Telefonieren wie die Vögel

2001 untersuchte die Autorin Sadie Plant Verhaltensweisen von Handynutzern. Der in der Studie angestellte Vergleich zwischen menschlicher Selbstdarstellung und Vogelwelt überzeugt auch noch 2005.

DARMSTADT. Der Herr am Nebentisch verliert die Beherrschung. Er gestikuliert. Er wird laut. Die anderen Besucher des Restaurants interessieren den Mann nicht, er lässt jeden Anwesenden gnadenlos an seinem Handygespräch teilhaben. Dass die Mehrheit seiner Mitmenschen wenig davon halten mag, wird ihm - zum Leidwesen seiner unfreiwilligen Zuhörer - nicht bewusst.

Wie die britische Autorin Sadie Plant in ihrer für Motorola erstellten Studie "On The Mobile" bereits 2001 anschaulich dargelegt hat, sind Verhaltensweisen wie diese abhängig von vielen Faktoren. Umgangsformen und Körperhaltungen - die generelle Selbstdarstellung mobil Telefonierender also - sind laut Plant unter anderem Produkt von Stimmung, Ort, dem Grund des Anrufs und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Dennoch gibt es einige archetypische Merkmale in der Benutzung von Handys, die eine grundlegende Unterscheidung der Benutzer möglich machen. Die Welt der Vögel als Übermittler von Nachrichten schien Plant besonders geeignet, um sechs verschiedene Klassen von Handynutzern zu definieren:

Der hektische Kolibri

Er verbringt die längste Zeit seines Lebens im Flug. Der Kolibri-Handynutzer ist selbstbewusst und cool, viel unterwegs und benutzt sein Handy sehr, sehr oft. Wie der Kolibri, der nicht landen will, weil er scheinbar befürchten muss, nicht wieder starten zu können, möchte der Handynutzer nicht ohne sein Gerät sein. Stattdessen wird jede kommunikative Blüte angeflogen, die auf dem Weg liegt.

Die einsame Eule

Eulen reduzieren ihre Handynutzung auf ein Minimum. Sie telefonieren nur, wenn es unausweichlich ist, und ziehen diese Verhaltensweise dem immerwährenden Geschwatze einiger Kollegen vor. Da sie gemeinhin wenig Routine in Umgang mit ihren Geräten haben, kann es vorkommen, dass sie vom Klingeln fremder und sogar des eigenen Handys auf dem falschen Fuß erwischt werden. Statt der Jagd auf Kleingetier beginnt dann die Jagd auf das Handy in den Tiefen der Taschen.

Die ruhige Taube

Tauben telefonieren diskret und vermeiden peinliche Exzesse. Sie haben mit ihrem Handy keine Probleme: es wird ruhig, unauffällig und gleichzeitig selbstbewusst kommuniziert. Öffentlichkeitswirksame Angeberei oder verschämtes Verstecken beim Telefonieren oder dem Schreiben von SMS mag die Taube gar nicht.

Der schwatzende Spatz

Spatzen sind eher aufgeregt, nervös oder lebhaft wenn sie telefonieren. Die häufigen Anrufe sind geprägt von wortreichen und sozialen Inhalten, die teilweise sehr ins Private gehen und von Kicheranfällen begleitet werden können. Diese Eigenschaften machen Spatzen außerdem zu brillanten Schreibern von Textnachrichten.

Der lärmende Specht

Spechte sind sehr bestimmte und laute, sogar aggressive und damit "unhöfliche" Vögel. Die menschliche Entsprechung im Handykontext kann oftmals dabei beobachtet werden, wie sie sich ihren Weg durch eine Menschenmenge bahnt, und dabei vielleicht sogar fremde Gespräche unterbricht - nur um das eigene Gespräch in voller Lautstärke auszukosten.

Der auffällige Pfau

Pfaue sind die klassischen Exhibitionisten. Der Handypfau ist überaus stolz, extrovertiert und in erster Linie um sein Erscheinungsbild besorgt. Das Aussehen des Handys darf dabei natürlich nicht zu kurz kommen. Gleichzeitig ist der Pfau von allen Typen aber auch der am wenigsten Mobile, und das Handy dient mehr oder weniger dem Showeffekt. Hauptsache ist das Flanieren mit den neuesten und tollsten Schwanzfedern.

Quelle: "On The Mobile", Studie von Sadie Plant, 2001

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