Mobiltelefon als digitaler Türöffner
Der Autoschlüssel steckt im Handy

Philipp Spangenberg weiß genau, was Mobiltelefone können und was nicht. "Als erstes gehen die Tasten eins und drei kaputt, dann kommen die Lauftasten links und rechts", sagt der Maschinenbau- und Informatik-Student an der Technischen Universität München über das auf dem Tisch liegende Modell S55 von Siemens und lächelt spitzbübisch.

MÜNCHEN. Aber den 23-Jährigen interessiert weniger, was daran kaputt geht, als was man mit einem Handy anstellen kann. Gemeinsam mit dem BWL-Studenten Markus Weitzel hat er ein Mobiltelefon mit Java-Software programmiert, damit es via Bluetooth die Funktion eines digitalen Autoschlüssels übernehmen kann.

Auf das Gerät wird ein digitaler Schlüssel verschickt, der die automatische Identifikation des Fahrers ermöglicht. Als kommerzielle Anwender für das System mit dem Namen Blue ID kommen Autovermieter in Frage. Aber auch wenn private Autonutzer ihren Schlüssel verlieren, könnte ihnen mit Blue ID geholfen werden, ohne dass ein Ersatzschlüssel per Post geschickt werden muss. Das könnte sogar ein Baustein des intelligenten Autos der Zukunft sein. Aber auch weitere Anwendungen sind denkbar - bis hin zur Vision vom digitalen Schlüsselbund.

Auch talentierte Studenten erzielen solche Ergebnisse nicht zufällig. Die beiden haben den Ideenwettbewerb an der Technischen Universität München gewonnen. Im Wintersemester 2004/05 gab die Unternehmertum GmbH zusammen mit BMW Car IT das Thema vor: "Das vernetzte Automobil". Die Unternehmertum GmbH finanziert sich aus Spenden der Quandt-Tochter Susanne Klatten und gibt Anschubhilfe für unternehmerisches Denken. Es ist seit jeher ein Anliegen der Familie Quandt, Großaktionärin des BMW-Konzerns, unternehmerisches Denken und Handeln zu fördern, natürlich nicht zuletzt mit Bezug zur Autoindustrie.

Nicht ganz zufällig ist auch bei diesem Ideenwettbewerb die direkte Kooperation mit BMW. Der Autokonzern kümmert sich um einen engen Kontakt zur Hochschule, um die besten Talente möglichst früh für den Konzern zu gewinnen.

An dem Wettbewerb nahmen 35 Gruppen von Studenten und Wissenschaftlern teil. Die Nachwuchsunternehmer mussten nicht nur die technische Lösung neben dem ordentlichen Studium auf die Beine stellen, sondern zugleich ihre Idee bis zum Geschäftsplan ausarbeiten.

Blue ID darf als Gewinner jetzt zusammen mit BMW einen Prototypen entwickeln. Das Patent wurde bereits angemeldet. Die Unternehmensgründung soll im August 2006 erfolgen. Als Finanzbedarf haben die beiden Studenten mit ihrem Team einen Betrag von 84 000 Euro ermittelt. Darüber hinaus braucht das Unternehmen noch weitere 120 000 Euro als Darlehen. Die beiden Studenten rechnen mit einem Jahresumsatz von 2,5 Mill. Euro und einem Unternehmenswert von 13,5 Mill. Euro schon bei der Gründung. "Das sind keine Fantasiezahlen", versichern die beiden. Termine mit namhaften Autovermietern gab es bereits. Weitzel und Spangenberg sind sich sicher, einen technologischen Vorsprung vor der Konkurrenz zu haben. Und das sind immerhin Firmen wie Kiekert, Valeo oder Siemens VDO.

Spangenberg hat bereits als Schüler bei "Jugend forscht" ausgetüftelt, wie man von einem "Personal Digital Assistant", einem tragbaren Mini-Computer Lerninhalte direkt an einen Beamer leitet. Das Geld für den PDA hatte er sich in zwei Monaten bei einem Job im Pharmahandel verdient. Auch diese Idee wurde später zu einem kleinen Unternehmen. Garagen-Unternehmer Spangenberg sollte Recht behalten. Inzwischen hat die erste Taste des besagten Siemens-Handys aufgegeben.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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