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„Moorhuhn“-Prozess: „Wir haben Monopoly gespielt“

Mit einer Bankenschelte des Ex-Vorstandschefs der Phenomedia AG, Markus Scheer, ist in Bochum am Donnerstag der „Moorhuhn“-Prozess fortgesetzt worden. Der 35-Jährige beklagte, dass seine Firma beim Börsengang 1999 falsch beraten worden sei.

dpa BOCHUM. Mit einer Bankenschelte des Ex-Vorstandschefs der Phenomedia AG, Markus Scheer, ist in Bochum am Donnerstag der „Moorhuhn“-Prozess fortgesetzt worden. Der 35-Jährige beklagte, dass seine Firma beim Börsengang 1999 falsch beraten worden sei.

Ihm selbst sei es dagegen immer nur um die Entwicklung neuer Computerspiele gegangen. Wörtlich sagte Scheer: „Ich habe alles getan, damit es der Firma gut geht.“ Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und fünf weiteren Angeklagten vor, die Umsätze der Phenomedia AG durch millionenschwere Falschbuchungen manipuliert zu haben. Im Zuge des Bilanzskandals musste Phenomedia 2002 Insolvenz anmelden.

In einem über vierstündigen Vortrag schilderte Scheer dem Gericht, wie wichtig er sich damals gefühlt habe. Es sei eine stürmische Phase gewesen, in der längst nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. „Was wir gelebt und gespielt haben, war Monopoly“, sagte der Ex-Vorstandschef des früheren Börsenlieblings am Neuen Markt den Richtern der 6. Strafkammer des Bochumer Landgerichts.

Echte Zahlen hätten damals niemanden interessiert. „Es musste alles nur toll aussehen und plausibel sein“, sagte Scheer. Selbst die Banken hätten nichts richtig überprüft. Letztendlich sei jeder vom Neuen Markt geblendet gewesen. Davon will er sich selbst nicht ausnehmen. „Ich kam mir vor, wie ein Junkie - meine Droge war die Börse“, sagte Scheer im Prozess.

Ausschlaggebend für den Aufstieg und Fall der Phenomedia AG sei unter anderem der enorme Erfolg des Moorhuhn-Computerspiels gewesen. Danach seien die Geschäfte praktisch von selbst gelaufen. „Die Kunden rannten uns die Bude ein“, sagte Scheer. Es habe Anfragen für über 100 Computerspiele gegeben. Früher hätte man pro Jahr gerade acht produziert. Dass die Bilanzen frisiert worden sind, hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende zugegeben. Eine persönliche Bereicherung weist er dagegen weit von sich.

Neben Scheer sitzen noch zwei ehemalige Vorstandsmitglieder, eine Buchhalterin und zwei Manager von Tochterfirmen auf der Anklagebank. Die Ermittler werfen ihnen unter anderem vor, durch Luftbuchungen rund 15 Mill. Euro in die Buchhaltung geschummelt zu haben, um den Kurs der Aktie in die Höhe zu treiben. Scheer und sein mitangeklagter Finanzvorstand hatten sich im Frühjahr 2002 selbst angezeigt, als der Schwindel aufzufliegen drohte.

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