MS Office
Endrunde im Schlagabtausch um geschlossene Formate

Es ist die Entscheidungsschlacht im Krieg der Bürosoftware. Der mit harten Bandagen ausgetragene Streit um die Zertifizierung des Microsoft-Dokumenten-Formats OOXML (Open Office XML) als offener Standard geht in die entscheidende Runde. Die Zukunft des Büropakets "MS Office" steht auf dem Spiel.

DÜSSELDORF. Scheitert die Technik des Softwarekonzerns in der Abstimmung Ende März, steht die Zukunft des zweitgrößten Gewinnbringer des Unternehmens in den Sternen.

Es geht darum, wer im Büro der Zukunft die Bildschirme und die digitalen Archive im Internet beherrschen wird. Immer mehr nationale Regierungsorganisationen, die EU und große Unternehmen satteln um auf offene Textformate und meiden alte Formate wie ".doc", an dem alleine Microsoft alle Rechte hält. Ziel ist es, dauerhaft ungehinderten Zugang zu Dokumente sicherzustellen, ohne von Lizenzen oder Patenten abhängig zu sein. Microsoft war im September 2007 mit seiner Technik in einer ersten Abstimmung über die Anerkennung als offener Standard an der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit gescheitert. Experten haben danach tausende Verbesserungen gefordert, die nun 87 nationale ISO-Organisationen in Genf in Marathonsitzungen hinter verschlossenen Türen in der vergangenen Woche fünf Tage lang diskutiert haben.

"Die geforderten Änderungen werden jetzt umgesetzt", sagte Tom Robertson, General Manager of Standards and Interoperability bei Microsoft, gestern in einer Telefonkonferenz. Die Redmonder haben gleichzeitig einen Strategiewechsel angekündigt, der mehr Offenheit verspricht. So wolle man bei "nicht kommerziellem" Einsatz von bestimmten Microsoft-Patenten auf "Klagen verzichten".

Kritiker wie Shane Coughlan, juristischer Koordinator bei der Free Software Foundation Europe, halten diese Beschränkung auf "nicht kommerziell" allerdings für "inakzeptabel". Ohne völlige Freistellung des Formats von Patenten werde "niemals Rechtssicherheit herrschen".

Zu den größten Kritikern von OOXML gehört auch IBM. Microsoft beschuldigt IBM, die Zertifizierung nur zu hintertreiben, um Microsofts "Ertragsfluss zu schädigen", wie Top-Manager Nicos Tsilas tobt. Für Coughlan sind solche Äußerungen ein klarer Beweis, dass Microsoft eben doch mit OOXML Geld verdienen wolle.

Nun haben die Gremien 30 Tage Zeit, um endgültig zu entscheiden. Scheitert Microsoft in dem von ihm selbst angestrengten Schnellverfahren erneut, müsste das Zertifizierungsverfahren wieder von vorne begonnen werden. Profitieren würden die Wettbewerber: Das konkurrierende Format "ODF" - etwa im Büropaket Open Office verwendet oder von Google Docs - hat schon seit 2006 die Freigabe als ISO-Standard.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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