Musik soll Handys klingeln lassen
Singende Küken und kichernde Ratten

Einfach nur klingeln war gestern. Wenn sich das Handy rührt, ertönen längst singende Küken und kichernde Ratten, grelle Kreissägen oder die Hymne der DDR. Was die einen nervt, lockt vor allem junge Leute - und ist zum Millionenmarkt geworden.

dpa BERLIN. Nach dem Boom mit nachgespielten Tönen starten die Anbieter gerade die nächste Stufe: Das Handy spielt Original-Songs wie auf CD. Die Musikbranche rüstet sich für ein lukratives Geschäft. Denn anders als im Internet heißt es stets: Erst zahlen. Verbraucherschützer warnen, Jugendliche mit komplizierten Konditionen zum Schuldenmachen zu verleiten.

Bei Marktführer Jamba entstehen die Klingeltöne in einer früheren Getreidefabrik direkt an der Spree in Berlin. Dicht an dicht stehen Computermonitore auf langen Tischen. In einem Schrank liegen diverse Handymodelle, um Geräusche gleich in der Praxis zu testen. Gut 50 000 Produkte vom Logo bis zum Abenteuerspiel sind im Angebot, darunter bis zu 30 000 Geräusche aller Art. Fünf Jahre nach der Gründung ist das Unternehmen mit 480 Beschäftigten in fast 20 Ländern aktiv, und an den Wänden hängen Uhren mit kalifornischer Zeit - die US-Firma Verisign kaufte Jamba im vergangenen Jahr für 228 Mill. Euro.

Um die etwa 30 Sekunden langen Tonschnipsel (Durchschnittspreis: 1,99 Euro) einzuspielen, braucht es keine Instrumente. Sie entstehen in einigen Stunden am Computer, reduziert auf die markanteste Passage und in mehreren Varianten: als einstimmige Melodie, im Mehrklang mit Bass und Rhythmus, samt Karaoketext im Display oder im Original wie auf CD. Der Markt, auf dem neben den Handyfirmen und Netzbetreibern auch Konkurrenten wie Zed (Düsseldorf) mitmischen, ist in Bewegung: Etwa 200 Mill. Euro Umsatz kamen nach Branchenschätzungen 2004 als finanzielles Echo herein - Tendenz weiter zweistellig steigend.

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