Musikplayer Zune
Microsoft eröffnet Jagd auf den iPod

Als Unternehmen, das mit innovativen Produkten als erster auf den Markt kommt, gilt Microsoft nicht gerade. Der weltgrößte Softwarekonzern hat dafür aber eine andere Stärke. Die Amerikaner waren schon immer gut darin, den Wettbewerb von hinten aufzurollen. Das versucht Microsoft jetzt auch mit seinem tragbaren Multimedia-Player Zune, der dem iPod-Erfolg von Apple Paroli bieten soll.

HB SEATTLE. Bewusst wurde für den Player ein Name gewählt, der keinerlei Bedeutung hat. "Wir wollten ein unbeschriebenes Blatt", sagt der zuständige Produktmanager Matt Jubelirer. Noch nicht einmal der Name Microsoft erscheint auf dem Zune.

Der Player bietet 30 Gigabyte Platz auf der Festplatte, spielt Musik in den Formaten WMA, MP3 und AAC ab und kann auch Bilder (JPG) oder Filme (WMV, MPEG-4) anzeigen. Die Dateien werden mit Stichwörtern in Form von "Tags" versehen, was mehr Übersicht ermöglicht als das klassische Verzeichnissystem. Der LCD-Bildschirm bietet eine Auflösung von 320 mal 240 Pixel. Der Player hat ein integriertes UKW-Radio und kann über WLAN eine Internet-Verbindung herstellen. Auf diese Weise können auch Dateien von einem Zune zu einem anderen übertragen werden. Die zugehörige Software www.musiczune.de lässt sich nur auf einem Windows-PC installieren, einen Mac- oder gar einen Linux-Client gibt es bislang nicht.

Mit einem Gewicht von 158 Gramm passt das elf mal sechs Zentimeter große und 1,5 Zentimeter flache Gerät in jede Tasche. In den USA kostet der Player 284 Dollar, was einem Preis von etwa 195 Euro entspricht. Für die Einführung in Europa liegen bislang weder Preis- noch Terminangaben vor.

Hauptsache Fuß in der Tür

Für das Windows-Unternehmen geht es mit dem Player zunächst erst einmal darum, einen Fuß in dieser Branche zu bekommen. "Microsoft will sich da einen Platz sichern, weil das ein sehr großer Markt ist und der PC nicht mehr das Zentrum der Welt ist", erklärt der amerikanische Marktforscher Toan Tran zum Start des jüngsten Microsoft-Produkts. Die gleichen Überlegungen brachten das Unternehmen aus Redmond bei Seattle auch dazu, vor fünf Jahren mit der Xbox in den damals allein von Sony und Nintendo dominierten Markt für Spielkonsolen einzusteigen.

Allerdings ist das Xbox-Geschäft für Microsoft bisher noch nicht profitabel - in die Entwicklung der Hardware und der Online-Plattform Xbox Live wird mehr Geld investiert als eingenommen wird. Während Windows und Office weiterhin eine Goldgrube für Microsoft sind, weist der Geschäftsbereich "Entertainment and Devices" in dem Ende September beendeten Quartal einen Verlust von 96 Mill. Dollar aus.

Schon einen ersten Anlauf unternommen

In der Branche der digitalen Musik hat Microsoft mit PlaysForSure schon einen ersten Anlauf unternommen, damit aber nicht viel gegen den iPod-boom ausrichten können. Mit Zune soll das jetzt anders werden, auch wenn sich Microsoft auch hier ein paar Jahre Zeit lassen will, bis ein Erfolg erwartet wird.

Auf kurze Sicht müsse sich Apple kaum Gedanken machen, dass Zune dem iPod nennenswerte Marktanteile rauben könnte, meint Michael Gartenberg von der Marktforschungsfirma Jupiter Research. Aber bei Microsoft müsse man immer bedenken, dass das Unternehmen einen langen Atem und viel Geld habe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%