Mustererkennungssystem fürs Handy
Sehen, suchen, finden

Eine neue Software erkennt alles vor der Handylinse.
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DÜSSELDORF. Ihr Auge erblickt im Supermarkt rechts im Regal eine neue Weinsorte, doch bevor Sie zugreifen, wollen Sie wissen, was Weinexperten über den Tropfen denken. Sie zücken das Handy, klicken sich ins Internet, rufen Google oder Yahoo auf, aber als das Schreibfeld des Suchdienstes auf dem Display erscheint, fällt aus dem Lautsprecher des Supermarkts eine mahnende Stimme: Der Laden schließt in ein paar Minuten. Der Name des Weins ist lang, Tippen hält auf, und so wenden Sie sich ab, denn ohne fundierte Kaufentscheidung erstehen Sie nichts in diesen Zeiten.

In ein paar Monaten wird ein Programm der 23half, einer winzigen Softwarefirma aus Mountain View, Kalifornien, die Weinfakten in letzter Sekunde aufs Display zaubern können. Sie müssen nur die Handykamera nahe genug ans Flaschenetikett halten und abdrücken. Den Rest erledigt nThrum.

Die Software hockt in den Speicherchips des Mobiltelefons. Sie analysiert die Fotos, erkennt darin Wörter und kurze Texte und klappert schließlich Suchdienste im Internet ab. Sekunden später erscheinen Links auf dem Display, und hinter diesen Links Informationen zu dem fotografierten Text.

nThrum wurde aus Tüftelliebe und lebhafter Fantasie geboren. "Wir stellen uns die physische Welt als etwas vor, das kommuniziert, interaktiv wie Schlüsselwörter in einem Suchvorgang", erklärt 23half-Chef Kumar Gopalakrishnan.

Ähnlich wie ein Scanner arbeitet die Software mit einem Mustererkennungssystem und liest deshalb alles, was dem Handy vor die Linse kommt: Produktaufkleber, Zeitungsüberschriften, Filmtitel vom TV-Bildschirm, Buchtitel, Straßennamen, Namen auf Visitenkarten oder Namensschilder an Bürokratentüren, Texte von Werbetafeln, Texte aus Bedienungsanleitungen. Verschiedene Schrifttypen sind kein Problem. "Das System kommt mit den meisten klar", verspricht Gopalakrishnan.

Die Software kann derzeit als Testversion kostenlos unter www.nThrum.com heruntergeladen werden. Bis jetzt funktioniert sie nur auf Nokia-Telefonen. Sobald sie aber marktfähig ist, wird sie auch mit anderen Marken arbeiten.



23half muss sich sputen

23half muss sich sputen, denn die große Konkurenz saugt sich fest an die Handsets der bedeutenden Handyhersteller. Suchen und finden per Handy verspricht profitable Geschäfte. In den nächsten Monaten wird der amerikanische Handyproduzent Motorola auf den Displays ein Google-Icon integrieren. Handynutzer gelangen dann mit einem Daumendruck zu den Diensten des Internetgiganten. Google sucht nicht nur Web-Seiten, sondern auch Reiserouten, präsentiert Stadtkarten und ortsbezogene Informationen zu Gastronomie und Kultur.

Yahoo will gleich einen eigenen Mobilfunkservice. Der Suchdienst aus Kalifornien hat sich mit Nokia und dem Mobilfunkanbieter Cingular zusammengeschlossen, um Anfang nächsten Jahres ein eigenes Handy herauszubringen. Es wird einen MP3-Spieler, eine Kamera und eine Speicherkarte enthalten sowie "Yahoo! Go Mobile".

Dieser Dienst geht übers Suchen und Finden hinaus. Er ist ein Alleskönner, der lokale Sport- und Wetterberichte und Yahoo-E-Mail liefert, Fotos sucht, Kalender und Adressbücher organisiert. "Yahoo! Go Mobile" erfährt, wenn sich die Telefonnummer eines Freundes oder Geschäftspartners ändert. Der Dienst greift dann automatisch in den Rufnummernspeicher des Handys und schreibt die neue Nummer ein. In den USA steht "Yahoo! Go Mobile" bereits jetzigen Handymodellen zur Verfügung.

Yahoo plant, den Dienst in zehn weitere Länder zu bringen, unter anderem auch nach Deutschland.

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