„MyVideo“ gegen Google und Youtube
Web-Videofieber greift auf Deutschland über

Mit der Milliarden-schweren Übernahme von YouTube durch Google rücken hierzulande Online-Videoanbieter ebenso ins Rampenlicht. Immerhin ist der Kauf die bislang größte Transaktion für die führende Suchmaschine, die damit eine führende Rolle bei Online-Videos einnimmt. Auch in Deutschland nimmt Web-Video Fahrt auf, dabei hat YouTube aber Konkurrenz.

DÜSSELDORF. Die amerikanische Erfolgsseite Youtube, auf der jedermann Videos ins Internet stellen oder anschauen kann, steigerte seit Februar 2006 die Zugriffe durch „Unique Audience“ in Deutschland von 583 000 auf 3,2 Mill. im August. Überraschend stark sind die deutschen Neulinge MyVideo und Lycos Europe Movie. Während Lycos Europe nur zwei Monate nach dem ersten Auftauchen in der Statistik der Marktforscher von Nielsen Netrating 1,2 Millionen unterschiedliche Besucher zählt, liegt MyVideo – an dem Pro Sieben Sat1 beteiligt ist – nach zwei Monaten bei rund 884 000.

„Unique Audience“ bezeichnet die Anzahl der identifizierbaren unterschiedlichen Web-Surfer, die mindestens einmal in einem Monat eine Web-Site besucht haben. Diese Zahl ist wichtig für die Werbeindustrie. Sie gibt an, wie viele potenzielle Kunden eine Werbekampagne theoretisch erreichen kann. Nielsen Netrating wertet dafür das Surfverhalten von 5000 deutschen Internetrechnern aus, die ihre Daten regelmäßig automatisch zur Verfügung stellen.

„Seiten werden TV-Landschaft sicher verändern“

Vor allem Medienunternehmen sehen eine Chance, Produkte zu bewerben oder zu verkaufen sowie ihre Angebote vom TV aus das Internet auszuweiten. Der TV- und Filmriese Sony Pictures etwa hat die Videoseite Grouper für 65 Mill. Dollar übernommen, der deutsche TV-Sender RTL hat einen Web-Dienst namens „Clipfish“ gegründet, und Pro Sieben Sat1 hat einen Anteil von 30 Prozent an der deutschen Seite „MyVideo“ übernommen sowie eine Option auf das gesamte Unternehmen erworben.

Damit stehen sich die beiden größten deutschen TV-Ketten nun auch im Internet frontal gegenüber. Gleichzeitig versuchen sie, sich Wege zum jungen Publikum zu sichern, das zunehmend abends den PC statt das Fernsehgerät nutzt. „Das ist nicht das Ende des Fernsehens, sondern kann der Anfang neuer Fernsehinhalte sein“, sagt Wilken Engelbracht von „Clipfish“-Betreiber RTL.

„Die Video-Community ist eine nahe liegende Erweiterung unserer Aktivitäten“, sagt Guillaume de Posch, Vorstandschef von Pro Sieben Sat1 Media. „Damit entsprechen wir neuen Nutzungsgewohnheiten.“

„Diese Seiten werden die TV-Landschaft sicher verändern“, sagt auch Andreas Gutjahr von Nielsen Netrating. „Für die Werbung eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten.“ Allerdings sollten die Werber nicht überziehen, warnt er. „Wer nur einen dreiminütigen Clip ansehen möchte, wird sich kaum auf 30 Sekunden Werbung einlassen.“

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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