Nach Unglück in Bad Reichenhall
TÜV beanstandet jede zweite Halle

Knapp die Hälfte aller nach der Katastrophe von Bad Reichenhall vom TÜV Rheinland untersuchten Hallendächer in Deutschland weist funktionale Mängel auf.

agr DÜSSELDORF. Allerdings bestehen laut Burkhard Switaiski vom TÜV Rheinland Industrie Service bei weniger als fünf Prozent der Bauwerke erhebliche Bedenken hinsichtlich der Standsicherheit. Wenn keine Instandsetzungsmaßnahmen ergriffen würden, sei aber bei einem Fünftel der 400 bislang untersuchten Dächer mit einer mittelfristigen Beeinträchtigung der Standsicherheit zu rechnen, so Switaiski auf einem Kongress des Bauindustrieverbands Nordrhein-Westfalen.

Ursache dafür seien aber nicht unvorhergesehene Belastungen etwa durch hohe Schneelasten wie in Bad Reichenhall, wo 15 Menschen durch den Einsturz einer Eissporthalle ums Leben gekommen sind. Die Mängel resultierten aus Planungs- und Ausführungsfehlern, mangelnder Wartung und Instandhaltung sowie mangelhaften Reparaturen. Auffällig sei, dass häufig undichte Dächer zu Schäden an konstruktiven Elementen führten. Auch seien in mehreren Fällen Mängel an abgehängten Decken gefunden worden, die zwar die Standsicherheit des Bauwerks nicht beeinträchtigten, aber doch eine erhebliche Gefahr für die Nutzer darstellten. Auch relevante Unterlagen wie eine geprüfte Statik hätten hier und da nicht vorgelegen.

Nur durch eine Präventivstrategie, so der TÜV, sei eine Verbesserung zu erreichen. Sie müsse die Qualitätssicherung von der Planung über die Errichtung und den Umbau bis zur Reparatur genauso umfassen wie die Aufstellung von Wartungsplänen und die Durchführung von Prüfungen. Dadurch könnten sogar Kosten gesenkt werden. Unverzichtbar sei eine lückenlose Dokumentation etwa in Form eines Bauwerksbuches wie es bei Brücken Pflicht sei.

Die Kommunen als größter Hallen-Eigentümer lehnen aber einen Gebäude-TÜV als zusätzliche Bürokratie ab. Auch wenn die Finanzknappheit der öffentlichen Kassen zu einem Verfall kommunaler Infrastruktur führe, so Roland Schäfer, Bürgermeister von Kamen und Vizepräsident des Städte- und Gemeindebundes NRW, bestehe keineswegs eine generelle Einsturzgefahr öffentlicher Gebäude. Notfalls müssten Gebäude geschlossen werden. Die Bauordnung verpflichte den Eigentümer zur Instandhaltung, sagte Ernst Schmieskors vom NRW-Bauministerium. Dies sei ausreichend. Dennoch würden derzeit Handlungsanweisungen für Prüfungen erarbeitet.

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