Nachfolger für Vista
Microsoft stellt Windows 7 vor

Microsoft hat in Los Angeles den Vista-Nachfolger Windows 7 vorgestellt. Genervte Vista-Nutzer können sich auf ein schlankeres und deutlich schnelleres Betriebssystem freuen.

DÜSSELDORF. Gute Nachrichten für Vista-gestresste PC-Nutzer. Das neue Windows 7 wird voraussichtlich Anfang 2010 auf den Markt kommen. Eine erste Beta-Version für die Öffentlichkeit soll Anfang 2009 zum Download verfügbar sein. Windows 7 soll schlanker werden und dadurch schneller. So schnell, dass es sogar auf an sich leistungsschwachen Netbooks Verwendung finden soll.

Steven Sinofsky, Vizepräsident der Windows and Windows Live Engineering Group, präsentierte den Vista-Nachfolger auf der Microsoft-Entwicklerkonferenz in Los Angeles. Vor allem die Benutzerfreundlichkeit von Windows wurde verbessert.

Die Taskleiste (üblicherweise am unteren Rand des Vista-Bildschirms) wurde völlig überarbeitet, jedes Taskbar-Symbol verfügt jetzt über eine so genannte Jump List. Dort finden sich die zuletzt mit der Anwendung geöffneten Dateien. Ruht der Mauszeiger auf einem der Symbole öffnet sich nicht nur ein Mini-Vorschaufenster, sondern eines in Originalgröße.Jump Lists stehen auch im Startmenü zur Verfügung. Ein Klick auf das Icon des Internet Exporers öffnet dann ein Fenster mit den zuletzt besuchten Webseiten, bei Word die zuletzt bearbeiteten Dokumente.

Nervt Vista noch den Anwender mit zahllosen Warnmeldungen zu jeder Kleinigkeit, kann ein erfahrener Nutzer bald auf Wunsch alle oder einzelne Warnmeldungen deaktivieren. Die "Sidebar", die zur Aufnahme von kleinen Programmen ("Gadgets") unter Vista dient, fällt wieder weg. Die Programme wie Wetterbericht oder Börsenkurse können frei auf dem Bildschirm abgelegt werden.

Bei der Suche im Explorer werden jetzt die Fundstellen, die zum Suchwort passen, farblich unterlegt. Ein Fenster namens "Device Stage" zeigt gebündelt alle Funktionen an, die man mit einem angeschlossenen Gerät, zum Beispiel ein Smartphone, machen kann. Microsoft verspricht zudem eine deutlich vereinfachte Netzwerkbildung. Mehrere Windows 7-PC sollen sich automatisch erkennen und zu einem Home-Netz verbinden.So genannte "Libraries", virtuelle Dateiordner, sollen dann helfen die geballte Datenflut zu organisieren. Die Bibliotheken fassen verschiedene physikalische Speicherorte - Festplatten, Server, USB-Stick - Netz-Speicher - zu einem einzigen virtuellen Speicherort zusammen. Eine einzige Suchabfrage führt dann zu der gewünschten Datei, auf welchem Speicher sie auch liegt.

Steuern lässt sich das Betriebssystem alternativ auch über einen Berührungsbildschirm. Dabei können auch Multitouch-Funktionen ausgeführt werden, so wie beim Mobiltelefon iPhone des Konkurrenten Apple.

Windows 7 basiert auf derselben Softwarebasis wie Vista. Das soll dafür bürgen, dass sämtliche Vista-Software und Hardware einwandfrei läuft und auch noch ein Teil der XP-Programme. Durch eine Entschlackungskur soll das Betriebssystem an Geschwindigkeit gewinnen, zudem weniger Speicherplatz auf der Festplatte und im Arbeitsspeicher verbrauchen. Aber das Festhalten an der Vista-Architektur hat auch einen defensiven Grund. Microsoft muss um jeden Preis vermeiden, dass der Windows 7-Start zu einem Desaster wird mit nicht funktionierenden Programmen oder fehlenden Gerätetreibern. Dann könnten die Käufer endgültig das Vertrauen in Windows verlieren, immer noch, neben Office, die Geldmaschine des Konzerns.

Sinofsky versprach, dass Windows 7 selbst auf einem Netbook der aktuellen Generation funktionieren würde, gezeigt wurde ein Acer-Modell mit einem 1 Ghz-Prozessor und einem Gigabyte Arbeitsspeicher. Der enorme Verbrauch an Ressourcen war einer der Hauptkritikpunkte an Vista.

Die Beschränkung aufs Wesentliche hat aber auch für Microsoft Vorteile: So verringert sich die Gefahr unschöner Verzögerungen. Sowohl XP als auch Vista hatten mit enormen Startschwierigkeiten zu kämpfen und kamen später als geplant auf den Markt. Deshalb auch der jüngste Wechsel an der Spitze der Microsoft-Windows-Mannschaft.

Windows 7 ist das erste Betriebssystem, das Steven Sinofsky verantwortet. Zuvor hatte der langjährige Microsoft-Manager den Programmierern im Bereich Office-Produkte Dampf gemacht. Bei Office gab es nie solch dramatische Verzögerungen wie bei Windows.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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