Nachfolger von Second Life
Vom PC-Helden zum Fernsehstar

Mehrere Firmen basteln an Nachfolgern von Second Life. Als Erster startet „Virtual Me“, dessen Figuren auch in andere Spiele und sogar ins Fernsehen übertragbar sein sollen. Den Anfang macht Big Brother im Juni.

bn BERLIN. Über Second Life ärgert sich Gerhard Florin, Vize-Präsident und Generalmanager von Electronic Arts (EA), wahrscheinlich heute noch. EA ist der mit Abstand größte Hersteller von Computerspielen und hat den Anspruch, bei jedem neuen Trend ganz vorne mit dabei zu sein. Den Second-Life-Trend hatte EA verschlafen. Vor allem der Verkaufserfolg „Die Sims“ hätte sich für eine Weiterentwicklung als 3D-Onlinecommunity angeboten.

Florin ging einen anderen Weg und suchte nach einem passenden Kooperationspartner für eine Neuentwicklung, die über das Prinzip von Second Life hinausgeht. Second Life hat die Möglichkeiten virtueller Parallelwelten mehr angedeutet als perfektioniert. Seit Monaten fragt sich die Branche, was nach Second Life kommen wird, und mehrere Konzerne arbeiten hektisch an Konkurrenzprodukten. MTV und Sony sind dazu beispielsweise eine Kooperation eingegangen, und IBM lässt eine Armee von 3000 Software- Ingenieuren das „3D-Internet“ erfinden, wie das Unternehmen unbescheiden verkündete.

Der durch Second Life angeschobene Elan der Entwickler hat einen guten Grund: Marktforscher prognostizieren, dass sich in vier Jahren bereits 80 Prozent der Internetnutzer als selbst gestaltete Figuren (Avatare) durch ein 3D-Internet bewegen werden.

EA will mit seinem Möchtegern-Nachfolger von Second Life schon im nächsten Monat an den Start gehen. „Virtual Me“ heißt das Kooperationsprojekt von Electronic Arts und der TV-Produktionsfirma Endemol, die weltweit durch ihre „Big Brother“-Sendungen bekannt wurde.

Gegenwärtig arbeitet ein Team aus Mitarbeitern beider Firmen daran, eine neue Online-Welt zu erschaffen. Die Avatare sollen darin viel realistischer aussehen als in Second Life. „Virtual Me“ soll sich aber nicht auf eine Welt wie Second Life beschränken. Die mit einer kostenlosen Software erstellte digitale Kopie des Spielers werde nicht nur in der Online-Welt zum Einsatz kommen, sondern auch in künftigen EA-Spielen, sagt Endemol-Manager Mike Morley, der sowohl für die kreative als auch die kommerzielle Seite des Projekts zuständig ist. Das virtuelle Ich des Spielers sitzt dann in dem einen EA-Spiel hinter dem Lenkrad eines Rennwagens und schießt im anderen auf Geiselnehmer.

Die Ideen für die ersten Spiele liefert aber Endemol: Shows wie „Der Millionendeal“, „Fame Academy“ oder das Reality-TV-Format „Big Brother“ werden auch als Onlinespiele vermarktet. EA und Endemol wollen mit der nächsten „Big Brother“- Staffel zunächst in Großbritannien starten und dann im Herbst das Marketing für „Virtual Me“ mit jeder neuen Produktion steigern. Wie genau das funktionieren soll und ob es etwas zu gewinnen gibt, verraten die Unternehmen noch nicht. Ihre Ankündigungen schrauben die Erwartungen allerdings in die Höhe: „Virtual Me ist ein völlig anderes Angebot als Second Life. Der Nutzer kann beispielsweise ein digitales Abbild von sich selbst erstellen und in ein Big Brother- Haus gehen. Dort erlebt er in fünf Tagen, was er sonst im Fernsehen in zwei Monaten zu sehen bekommt“, so Morley. Dabei ist auch eine Verbindung mit der TV-Sendung vorgesehen. Im „Diary Room“ könne jeder mit „Big Brother“ in Kontakt treten, nominieren, Aufgaben erfüllen oder einfach nur chatten.

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