Nachgefragt: Frank Dzierzon
„Outsourcing ist nicht der Königsweg“

Frank Dzierzon ist Geschäftsführer der auf Outsourcing-Beratung spezialisierten Clearview Deutschland. Im Interview erklärt er, warum Outsourcing immer ein fester Bestandteil der Beschaffungsstrategie eines Unternehmens bleiben wird.

Handelsblatt: Herr Dzierzon, zur Zeit macht Outsourcing - also die Auslagerung von IT-Bereichen an Dienstleister - eher negative Schlagzeilen. Ist der von vielen erhoffte Boom schon wieder am Ende?

Frank Dzierzon: Nein, das würde ich nicht sagen. Es ist richtig, es gibt solche spektakulären Misserfolge. Doch sie sind nach wie vor selten. Outsourcing wird es auch künftig geben. Es ist und bleibt fester Bestandteil der gesamten Beschaffungsstrategie eines Unternehmens.

Sie sagen, Outsourcing ist Teil der gesamten Strategie. Ist die Auslagerung von IT-Bereichen und Diensten also doch nicht das ?non plus ultra??

Outsourcing ist sicher nicht der Königsweg. Jedes Unternehmen sollte seine IT-Strategie genau unter die Lupe nehmen und dann entscheiden, welcher Weg der richtige ist. Das kann auch eine In-House-Lösung sein oder eine Mischform wie ein Shared-Service-Center, also ein Standort, an dem die Firma bestimmte IT-Services weltweit bündelt.

Dennoch läuft bei großen Outsourcing-Aufträgen immer wieder einiges schief. Welches sind die häufigsten Fehler, die gemacht werden?

Tatsächlich funktionieren viele Outsourcing-Programme nur so gerade eben; viele Kunden sind unzufrieden. In der Regel liegt die Ursache aber beim Kunden selbst. Outsourcing ist ein höchst komplexer Vorgang und muss deshalb sehr genau geplant werden. Wer diesen Prozess nicht genau durchdenkt und während der gesamten Zeit aktiv mitgestaltet, riskiert Fehlschläge. Viele Kunden übersehen auch, dass die eigentliche Arbeit erst nach der Vertragsunterschrift beginnt. Ein systematisches, vom Kunden getriebenes Outsourcing-Management ist ein absolutes Muss.

Was ist denn mit den IT-Dienstleistern? Machen die überhaupt keine Fehler?

Doch. Viele versprechen den Kunden einfach zu viel, etwa zu hohe Einsparungen. Auch versuchen Anbieter immer wieder, die Kunden mit Standardverträgen abzuspeisen, die völlig ungenügend sind. Das wird allerdings schwieriger, da die Auftraggeber mit dem Thema Outsourcing zunehmend professioneller umgehen.

Wie macht man es denn richtig?

Es ist wichtig, sich über jedes Detail Gedanken zu machen und das dann auch im Vertrag zu regeln. Grundsätzlich sind die Interessen des Auftraggebers und des Dienstleisters verschieden. Der Dienstleister wird unangenehme Themen kaum von sich aus ansprechen. Das muss der Kunde tun. Gerade deshalb sollte jedes Unternehmen prüfen, ob nicht externe Hilfe etwa durch juristische oder andere Berater sinnvoll sein kann.

Die Fragen stellte Jens Koenen.

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