Nachgefragt: Hartmut Lüerssen
„Ein neuer Anbieter-Typ entsteht“

Das Handelsblatt sprach mit Hartmut Lüerssen, dem Chef des Beratungsunternehmens Lünendonk, über die Zukunft der IT-Dienstleister.

Bei den IT-Dienstleistern sehen wir derzeit so viele Unternehmenszukäufe wie schon lange nicht mehr. Woran liegt das?

Die Übernahmen, die wir derzeit sehen, zeigen, dass der Markt in einer Konsolidierungsphase ist und dass Verdrängungskämpfe stattfinden. Die großen IT-Serviceanbieter versuchen, ihre Stellung in wichtigen Märkten, zum Beispiel in Europa, zu verbessern und gleichzeitig ihr Leistungsspektrum auszuweiten. Eine andere Möglichkeit haben sie im Moment kaum, um überproportional zu wachsen. Die Tagessätze der Berater sind stark unter Druck, wir haben einen Käufermarkt. Der Markt für Professional Services beispielsweise wächst derzeit im Schnitt um etwa drei Prozent. Das reicht vielen Anbietern in ihrer Planung nicht aus.

Welche Auswirkungen hat das auf die Branche?

Die Abgrenzung zwischen den IT-Dienstleistungs-, Software- und Unternehmensberatungs-Märkten wird zunehmend schwieriger. Während einerseits Managementberater auch IT-Know-how anbieten, gehören auch strategische Themen zur Leistungspalette der IT-Berater. Eine weitere Überschneidung ergibt sich dadurch, dass Standardsoftware-Unternehmen ins Integrations- und Beratungsgeschäft drängen. Gleichzeitig dehnen große IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen ihre Aktivitäten auf Outsourcing-Aufträge aus. Die Folge ist, dass sich ein neuer Anbietertypus im IT-Servicemarkt etabliert: Die Business-Innovation/Transformation-Partner.

Was sind das für Service-Unternehmen?

Wir verstehen darunter Unternehmen, die im IT-Markt arbeiten, mindestens zwei Drittel ihrer Umsätze mit Beratung und Dienstleistungen erwirtschaften und in den Leistungskategorien Management- oder IT-Beratung, System-Integration und Betrieb von IT-Systemen, dem Outsourcing, jeweils mindestens zehn Prozent íhres Umsatzes erwirtschaften. Darunter fallen die großen IT-Dienstleister wie T-Systems oder Gedas, aber auch Anbieter wie HP oder natürlich IBM, die sich mit dem Zukauf des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCooper offensiv in diesem Bereich positionieren. Dazu gehören aber auch Unternehmen, die eher aus der Strategieberatung kommen, Accenture oder Cap Gemini zum Beispiel.

Inwieweit unterscheiden sich diese Unternehmen von klassischen IT-Serviceanbietern?

Sie versuchen, sich den Unternehmen als langfristiger Partner zu präsentieren, die das gesamte Leistungsspektrum abdecken. Sie bieten einen Service von A bis Z an, der bei der Strategieberatung anfängt, und über die Umsetzung eines IT-Projekts und die Betreuung der Hard- und Software bis hin zu Business Process Outsourcing reicht. Früher gab es eine Arbeitsteilung. Eine Managementberatung schlug etwas vor und ein IT-Unternehmen setzte es um. Heute initiiert man den Transformationsprozess und bleibt selbst an ihm dran.

Was bringt das für die Kunden?

Die Hoffnung ist, dass der Projekterfolg größer ist, wenn ein einziges Unternehmen ein Projekt vom Anfang bis zum Ende betreut. Man erwartet, dass dann alle Projektteile besser ineinander greifen und sich Synergieeffekte ergeben.

Und was wird aus den lokalen Spezialanbietern?

Die haben weiterhin eine gute Chance, wenn sie zum Beispiel über spezielles Branchen-Know-how verfügen. Unter Druck geraten die mittelgroßen IT-Serviceunternehmen, die über ein breites Portfolio verfügen, aber nicht in den einzelnen Branchen tief verankert sind. Sie haben es schwer, mit den ganz Großen mitzuhalten.

Das Gespräch führte L. Reppesgaard.

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