Nachgefragt
Quinkert: "Wir haben in Deutschland viel Zeit verloren"

Das Handelsblatt spricht mit Norbert Quinkert über die Einführung von Tetra-Standards für den digitalen Polizeifunk in Deutschland. Quinkert ist seit zehn Jahren Chairman der Motorola GmbH in Deutschland.

Handelsblatt: Herr Quinkert, Deutschland war Vorreiter in der Entwicklung des Tetra-Standards für den digitalen Polizeifunk. Doch während in anderen Ländern nationale Netze stehen, werden wir zur Fußball-WM 2006 keines haben. Warum?

Quinkert: Das haben wir selber verschuldet. Bund und Länder haben sich viele Monate lang um die Finanzierung gestritten. Dabei ist viel Zeit verloren gegangen.

Fürchten Sie durch den Regierungswechsel neue Verzögerungen?

Nein, die Ausschreibung läuft ja. Ich sehe das Wahlergebnis neutral. Wir haben mit der bisherigen Regierung gut zusammengearbeitet und werden das auch mit der neuen tun.

Könnte die schwierige Haushaltslage eine Verschiebung des Milliardenprojekts verursachen?

Das denke ich nicht. Die Gesamtkosten von rund sechs Milliarden Euro teilen sich ja auf in Netz, Endgeräte und Betrieb über zehn Jahre. Und Sie dürfen nicht vergessen, dass auch der jetzige analoge Funk hohe laufende Kosten verursacht. So sind zum Beispiel analoge Funkgeräte heute drei- bis viermal so teuer wie digitale.

Sehen Sie Ihr Konsortium mit T-Systems als Favoriten der Ausschreibung?

Nein, wir sind aber sehr zuversichtlich. Immerhin haben wir den Funk vor 70 Jahren erfunden und in den vergangenen Jahren die europäische Tetra-Technologie entwickelt.

Werden sich am Ende mehrere Konsortien den Auftrag teilen?

Eine Zusammenarbeit von mehreren Technologie-Lieferanten beim Funknetz ist aus technischen Gründen nicht realisierbar. Bei den Endgeräten kann man jedoch unter den Angeboten verschiedener Mitbewerber auswählen.

Wird es schwierig, Standorte für 3500 neue Funkmasten zu finden?

Damit wird die öffentliche Hand kein Problem haben.

Was würde es für Berlin als internationale Zentrale ihres Geschäfts mit digitalem Bündelfunk bedeuten, wenn Sie leer ausgingen?

Dann müssten wir der Konzernzentrale erklären, warum wir hier die schöne Fabrik und so viele Mitarbeiter haben, wenn die Nachbarländer alle unsere Technologie kaufen und nur Deutschland nicht. Wenn wir den Auftrag aber bekommen, würden wir weitere Mitarbeiter einstellen.

Die Fragen stellte Dirk Heilmann.

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