Nachgefragt: Siegfried Dais
„Investitionen in Forschung schützen“

Das Handelsblatt im Gespräch mit Siegfried Dais, stellvertretender Bosch-Chef und Leiter des Unternehmensbereichs Forschung und Entwicklung.

Handelsblatt: Welche Rolle spielt Software für ein Unternehmen wie Bosch?

Siegfried Dais: Bosch ist in verschiedensten Technologiebereichen wie Kraftfahrzeugtechnik, Industrietechnik und im Maschinenbau tätig. Steuern, Messen und Regeln bilden die Grundlage vieler unserer Produkte. Früher erfolgte die Steuerung etwa einer Bremsanlage mechanisch. Heute benutzt man dafür meist frei programmierbare Rechner und Software.

Wird die Bedeutung von Software für Bosch zunehmen?

Gängige Studien gehen davon aus, dass der Anteil an Elektrik und Elektronik in einem Auto von heute 20 Prozent in den nächsten zehn Jahren auf 35 Prozent steigen wird. Das macht deutlich, wohin der Trend auch bei Bosch geht.

Wie stehen Sie zu der geplanten Richtlinie über Softwarepatente in Europa?

Wir sind ganz klar dafür, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung auch künftig geschützt werden können. Software ist doch nichts anderes als eine Ausführungsform, mit der sich technische Funktionen realisieren lassen. Werden solche Funktionen mechanisch oder elektrisch realisiert, sind sie patentierbar. Heute ist die gängige Ausführungsform Software. Warum diese nicht durch Patente geschützt sein soll, ist logisch nicht nachvollziehbar.

Softwarepatente sind doch in Europa bereits möglich. Warum nun die Aufregung?

In der Tat gibt es die Möglichkeit, softwarebasierte Erfindungen in Europa patentieren zu lassen – vorausgesetzt, sie stehen in Verbindung mit einer technologischen Lösung. Unsere Befürchtung ist jedoch, dass wir mit der EU-Richtlinie hinter die heutige Praxis zurückfallen. Dazu kommt, dass Software für sich genommen für Bosch bisher keinen eigenen Wert dargestellt hat. Doch das wird sich künftig ändern, mit der Folge, dass Software ein eigenständiges Produkt wird.

Was wäre die Folge, falls die Patentierbarkeit von Software ausgeschlossen wird?

Dann werden im Wettbewerb nicht die Unternehmen mit den besten Ideen bestehen, sondern diejenigen mit dem besten Marktzugang, und die am schnellsten kopieren können. Wir müssten uns dann sehr genau anschauen, in welche Bereiche der Forschung und Entwicklung wir künftig investieren würden.

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