Nachtsichtgeräte im Kino Filmbranche macht mobil

Raubkopierer machen der deutschen Filmbranche weiter das Leben schwer. Nach der jüngsten Studie wurden zwischen Oktober 2004 und März 2005 rund zwei Drittel aller 165 neuen Filme illegal ins Internet gestellt. Neben den US-Produktionen waren auch deutsche Streifen bei den Filmpiraten sehr beliebt.

dpa BERLIN. Um mitschneidende Filmpiraten im dunklen Kinosaal zu erwischen, will die Branche künftig sogar Nachtsichtgeräte einsetzen. Neue Zahlen und Fakten über die Raubkopierer hat der Aachener Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Dördrechter für die Studie zusammengetragen. „Es ist ein absoluter Mythos, dass nur aufwendige Hollywood-Produktionen oder wenige Verleihe betroffen sind“, berichtete er am Dienstag in Berlin. Von den 165 Filmen, die er untersucht hat, standen 15 deutsche und 58 US-Produktionen kurz vor oder nach ihrem offiziellen Filmstart bereits im Netz. Die illegalen Börsen schmälern nicht nur den Umsatz der Filmverleihe, sondern auch die Einnahmen der Videotheken.

Die Internet-Filme wurden häufig von Dvds kopiert, die in anderen Ländern bereits zu haben waren, heißt es in der Studie. Den deutschen Ton schnitten die „Piraten“ dann häufig bei Previews oder Pressevoraufführungen im Kino mit. Im Umlauf waren auch Internet- Versionen, die im leeren Kino mit einer Digitalkamera abgefilmt wurden. Auch Material, das für Filmjurys bestimmt war, kursierte im Netz. An den „undichten Stellen“ sind Filmverleihe durch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen aber auch mit Schuld, heißt es weiter.

Die Branche will sich in Zukunft noch stärker gegen Raubkopierer wehren. Eine Filmcodierung, die von einem Fraunhofer-Institut entwickelt wurde, hilft bereits bei der Fahndung nach illegalen Quellen im Internet. Filmverleihe hoffen auch auf die Entwicklung einer Suchmaschine, die Internet-Kopien aufspürt. Auch in den Kinos hat sich einiges geändert. Es gibt bereits Prämien für Mitarbeiter, die Mitschneider entdecken - und Nachtsichtgeräte sind im Gespräch.

Auch juristisch geht die Filmwirtschaft vermehrt gegen Filmpiraten vor. Allein von Januar bis März 2005 ließ die die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen 703 Verfahren gegen Raubkopierer einleiten. Dabei drohen je nach dem Ausmaß der illegalen Verwertung Geldbußen oder bis zu fünf Jahren Gefängnis.

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