„Nacktes DSL“
Breitband-Zugang ohne Telefon-Zwang

Im Rennen um die beste Ausgangsposition für "Triple Play"-Angebote wird noch über die neuen Regeln für den Breitbandmarkt gestritten. Eines zeichnet sich aber jetzt schon ab: das "nackte DSL" verabschiedet sich auf kurz oder lang vom Festnetztelefon.

HB FRANKFURT. Ohne einen Telefonanschluss kein Breitbandzugang ins Internet - diese feste Verbindung will die EU-Kommission auflösen, um den Wettbewerb weiter zu fördern. Die Brüsseler Behörde hat jetzt einen Vorschlag der Bundesnetzagentur gebilligt, wonach die Deutsche Telekom den DSL-Anbietern künftig einen "IP-Bitstromzugang" bereitstellen soll - damit wird der DSL-Zugang zum Internet ohne gleichzeitigen Festnetzanschluss möglich.

Bis Ende September will die Bundesnetzagentur der Deutschen Telekom nach Angaben von Behördensprecher Rudolf Boll eine entsprechende Verfügung schicken. Die Umsetzung dieser Verfügung dürfte sich aber womöglich bis Anfang nächsten Jahres hinziehen.

Das "nackte DSL" ohne Telefon ist vor allem im Interesse derjenigen DSL-Anbieter, die ohne eigenes Telefonnetz auskommen und ihre Breitbandprodukte in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern vermarkten. So günstig die DSL-Angebote auch geworden sind - Voraussetzung ist immer noch ein Telefonanschluss, meist von der T-Com. Wenn dies wegfällt, "können wir sehr viel flexibler DSL-Komplettpakete anbieten", sagt 1&1-Sprecher Michael Frenzel.

Der von der EU geforderte IP-Bitstromzugang würde nur noch die Technik des Telefonanschlusses nutzen. Splitter und DSL-Modem bleiben weiter an der Telefonbuchse angeschlossen, stellen die Internet-Verbindung dann aber auch ohne den bislang obligatorischen Festnetzanschluss her. Das würde der wachsenden Zahl von DSL-Nutzern entgegen kommen, die schon jetzt nicht mehr übers Festnetz, sondern mit "Voice over IP" übers Internet telefonieren.

"Keine Garantie für mehr Wettbewerb"

Die Deutsche Telekom aber macht geltend, dass die Entkoppelung von DSL und Telefon keineswegs eine Garantie für mehr Wettbewerb sei, wie die Erfahrung in Spanien, Italien und Luxemburg zeige. Dort seien die Marktanteile des führenden Anbieters höher als in Deutschland, wo ein Anteil von 61,7 Prozent für die Deutsche Telekom ein Beleg für einen funktionierenden Wettbewerb sei, erklärt Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg im AP-Gespräch.

"Es wird versucht, allen 25 Märkten in der EU dieselbe Regulierung aufzudrücken", kritisiert Nierwetberg das Brüsseler Vorgehen. "Das ist ungefähr so, als ob allen 25 Ländern die gleiche Rechtschreibung aufgezwungen würde, obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen." Gegen die neue Regulierung sind auch die anderen Festnetzbetreiber wie Arcor oder Versatel, die nicht nur viel Geld in den Netzaufbau gesteckt haben, sondern der Deutschen Telekom auch Miete zahlen für die Telefonanschlussleitung zur Überwindung der "letzten Meile" zu ihren Kunden.

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