Netzausrüster arbeitet an Hybridlösungen zur Sicherung der Carrier-Investitionen
Breitbandangebot für alle kommt in kleinen Schritten

Die großen Telekom-Carrier sehen sich zu einem Spagat gezwungen. Sie wollen rasch neue Dienste über die Breitbandtechnik für alle bieten. Doch nach hohen Investitionen kann die technische Umrüstung nur in angemessenen Schritten geschehen.

HB MÜNCHEN. Kommunikations-Techniker und - Strategen sind sich einig: Die Zukunft heißt IP-Technik. Das Kürzel steht für „Internet Protocol“ - dem Standard des weltweit verzweigten Internets. Es soll den Telekom-Anbietern die Zukunft sichern, die Einnahmen sollen dabei aus einem umfangreichen Angebot von Diensten kommen. Doch der geplante Umstieg lässt sich nicht über Nacht verwirklichen, haben doch die Carrier in den vergangenen Jahren erhebliche Summen in eine andere, viel versprechende Kommunikationstechnik investiert. Dies war der Tenor, der vergangene Woche auf dem World Broadband Forum in Venedig zu hören war.

Asynchronous Transfer Mode oder kurz ATM hieß das Zauberwort der 90er Jahre, wenn es in der Telekom-Szene um Bandbreite für die geplante „Datenautobahn“ ging. Technisch steht das Kürzel - wie der Name sagt - für einen nicht synchronen Übertragungsmodus. Das bedeutet, es kann nach Bedarf mit variablen Bandbreiten gearbeitet werden. Diese reichen von 45 Megabit pro Sekunde bis zu einem Gigabit pro Sekunde. ATM ist eine der Basistechniken für B-ISDN.

Euphorisch glaubten damals viele an ATM-Verbindungen, die bis an den PC-Anschluss in unseren Häusern und Wohnungen reichen sollten. Doch diese Träume erfüllten sich nicht. Zwar ist ATM heute die vorherrschende Technik in den großen Netzsträngen (backbones) der Carrier, auf der Strecke zu den Hausanschlüssen (last mile – letzte Meile) konnte sich ATM trotz technischer Vorteile aber nicht durchsetzen. Dort wuchs die Bedeutung der IP-Technik, die mit den Kabeln des Ethernets arbeitet. Letzteres hatte sich als die Kommunikationstechnik der Computerindustrie durchgesetzt und soll nun auch die Übertragung von Datendiensten der Telekommunikation sichern.

In Venedig bemühten sich alle Netzausrüster, ihren Telekom-Kunden aus der Patsche zu helfen. Mit der Entwicklung von gemischten (hybriden) Komponenten soll einem bezahlbaren Übergang der Weg bereitet werden. So zeigte Texas Instruments aus Dallas zwei neue Produkte, die deutlich in diese Richtung wiesen: So war der neue Kommunikations-Chip AC7 durch seine Integration von Sprach- und Datenübertragung in einer Halbleiterkomponente auf Carrier-Lösungen ausgerichtet, die so genannte „Triple-Play“-Angebote ihren Kunden bieten wollen. Unter dem „dreifach Spiel“ versteht man die Dienste Sprache, Video und Daten aus einem Breitband-Dienst. TIs zweites Angebot, eine Entwicklungsplattform für WLAN-Handys, mit denen etwa in Netzen auf einem Firmengelände mobil im Internet telefoniert werden kann, unterstreicht den Trend.

Triple-Play war auch das Schlagwort, unter dem der französische Netzausrüster Alcatel den 7302 Intelligent Services Access Manager (ISAM) anpries. Technisch ist das neue System ein DSLAM (digital subscriber line access multiplexer). Dieser Gerätetyp sorgt dafür, dass mehrere DSL-Leitungen zusammengefasst und mit einer übergeordneten Einrichtung, beispielsweise einem ATM -Switch, verbunden werden können. Mit seinem 7302-Modell will Alacatel seinen Kunden beim raschen Ausbau seiner Triple-Play Breitbandnetze helfen. Ein erstes Projekt läuft bereits mit China Telecom.

Auch der deutsche Siemens-Konzern hilft seinen Kunden beim Aufbau eines „Carrier Ethernet“, wie IP-Netze bei Telekom-Anbietern auch genannt werden. "Carrier Ethernet" zähle zu den stark wachsenden Marktsegmenten im Zugangsbereich (Access) von Carrier-Netzen, sagte Anton Schaaf, bei Siemens für dieses Thema im Vorstand verantwortlich, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Ethernet sei das dominierende Protokoll in privaten Netzen. Mit dem Aufbau von "Carrier Ethernets" können nun IP-Techniken ohne die heute übliche Umsetzung auf ATM durchgängig von der Vermittlungsstelle bis hin zum Endanwender genutzt werden. Das führe zu einer homogenen Netzinfrastruktur, die sich leicht verwalten lasse. Zudem könnten Kosten für teure Netzschnittstellen eingespart werden.

Als erste europäischen Kunde für eine derartige Netzstruktur konnte Siemens den niederländischen Kabelnetzbetreiber Casema gewinnen. Siemens hatte bereits im Frühjahr dieses Jahres mit der Carrier-Ethernet-Strategie auf die Marktentwicklung geantwortet. Bestandteil der Strategie ist die Beteiligung und enge Partnerschaft mit dem koreanischen Netzspezialisten Dasan, der breitbandige Zugangsprodukte wie DSLAMs und Switches auf Basis von Ethernet anbietet.

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