Netzwerk der nächsten Generation
Teures Allheilmittel

Noch schneller, noch preiswerter – die Deutsche Telekom und ihre Rivalen bauen neue Auffahrten zur Datenautobahn. Es ist der größte Umbau der Festnetz-Infrastruktur seit dem Fall des Netzmonopols vor zehn Jahren. Und ein riskantes Milliardenspiel.
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DÜSSELDORF. Bert Groß kämpft sich mit der Taschenlampe bis in den schmutzigsten Winkel des Kellers vor. Erst räumt er die Mülltonnen aus dem Weg, dann stellt er die Fahrräder an die Seite. Irgendwo dort hinten, direkt neben den Telefon-, Wasser- und Gasleitungen, wird bald die Glasfaser ins Haus kommen, erklärt der Techniker der Kölner Telefongesellschaft Netcologne. Er misst die mit Spinnweben bedeckte Kellerwand aus, ein roter Farbklecks aus der Spraydose markiert eine geeignete Stelle für das etwa vier Zentimeter dicke Bohrloch. Zum Schluss kramt Groß noch eine Digitalkamera aus der Werkzeugkiste. Klick, klick. Zwei Fotos für die Bilddatenbank, damit sich der in einigen Wochen eintreffende Buddeltrupp am Laptop ein exaktes Bild vom Kellerraum machen kann.

Kölns Kellerräume sind seit einigen Wochen eine beliebte Pilgerstätte. Vorstände und Netzplaner von Konkurrenten aus dem gesamten Bundesgebiet steigen in die Kölner Unterwelt hinab, um einen Blick auf Deutschlands größte Glasfaserbaustelle zu werfen. Als Netcologne-Chef Werner Hanf Anfang 2006 erstmals ankündigte, Glasfaser bis in die Keller seiner Kunden zu verbuddeln, bekam er von den meisten nur ein mitleidiges Lächeln. „Wer gräbt, verliert“, frotzelten viele.

Jetzt wollen dieselben Leute im Detail wissen, wie sich Kölns erfolgreichster alternativer Netzbetreiber komplett von der Deutschen Telekom abnabelt und den Ex-Monopolisten mit doppelt so schnellen InternetAnschlüssen mit Bandbreiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde überholt. Bis Jahresende ist ein Großteil der Kölner Innenstadt erschlossen. Rund 9 000 Haushalte hängen dann am Glasfasernetz von Netcologne.

Köln wird zum Modell für andere Ballungszentren. Was vor Jahresfrist noch undenkbar erschien, wird nun auch in anderen Städten Realität. Die Deutsche Telekom und ihre Konkurrenten bereiten den größten Umbau ihrer Festnetz-Infrastruktur seit dem Fall des Netzmonopols vor zehn Jahren vor. Das alte Telefonnetz wird langsam ausgemustert. An die Stelle tritt ein modernes internet-basiertes Universalnetz, in Fachkreisen Next Generation Network genannt, mit superschnellen Glasfaseranschlüssen in den Großstädten.

Mehrere Milliarden Euro wollen die Anbieter in den Umbau stecken, um mit neuen Diensten wie Internet-Fernsehen neue Wachstumsmärkte zu erobern und den Kunden Komplettangebote aus Telefon, Internet und zeitversetztem Fernsehen bieten zu können. So, hoffen die Anbieter, lasse sich der Umsatzeinbruch im klassischen Telefongeschäft auffangen.

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